Die 7 mageren Jahre sind vorbei

Jamiroquai waren einst eine taktgebende Band. Dann folgten Jahre der Belanglosigkeit. Rappelt sich Leader Jay Kay nochmals auf?

Seine Kopfbedeckungen sind genauso bekannt wie seine Band: Frontmann Jay Kay.

Seine Kopfbedeckungen sind genauso bekannt wie seine Band: Frontmann Jay Kay.

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Es gibt Momente im Leben eines Musikfans, in denen er sich fühlt, wie wenn die Liebe in einer Beziehung erkaltet. Statt tiefster Zuneigung ist da mit einem Mal nur noch Unverständnis. Wie kann dieser Künstler, wie kann diese Band plötzlich etwas fabrizieren, dem all das fehlt, was ihn oder sie ausgemacht hat?

Wer den Werdegang der britischen Acid-Jazz-Band Jamiroquai von Anfang an mitverfolgt hat, kennt Gefühle dieser Art. Ihr Debütalbum «Emergency on Planet Earth» (1993) stellte eine Offenbarung dar. Plötzlich war da dieser unglaublich entspannte Groove, diese Funkiness. Jazz war nicht mehr nur die Musik von Opa und Oma, sondern, angereichert durch eine kräftige Dosis Funk, die coolste Musik überhaupt.

Auf der Kommandobrücke dieser Unternehmung stand ein quirliger Ästhet mit seltsamer Kopfbedeckung, der sang und tanzte, als wäre er gerade dem Raumschiff von Parliament-Funkadelic entstiegen. Ohne einen Tropfen Schweiss zu verschwenden, spann er seine Melodien und ­regierte den Groove – gerade so, als wäre da ein neuer Michael Jackson geboren. Die Nebeneffekte der neuen Liebschaft: Man trug plötzlich wieder alte Adidas-Modelle oder schnitzte sich ein ­Didgeridoo.

Eine Weile lang wurde es immer besser und besser: «Space Cowboy», «Light Years», «Virtual Insanity» oder «Cosmic Girl» hiessen die Songs, die sich für immer ihren Platz in der Musikgeschichte gesichert haben.

Doch mit der Jahrtausendwende verabschiedete sich die Magie schleichend. Ihre Musik klang immer mehr wie ein Abklatsch ihrer selbst. Vielleicht lag es daran, dass der im vergangenen April verstorbene Keyboarder und Songwriter Toby Smith ab 2002 nicht mehr mittat. Vielleicht auch daran, dass sich Saturiertheit eingestellt hatte.

Letztes Jahr hat die Band nach sieben Jahren Pause ein neues Album veröffentlicht. «I need to find out where I am», singt Frontmann Jay Kay im ersten Song von «Automaton». Vielleicht ist das ein Zeichen der Besserung.

Do 20 Uhr, Hallenstadion
Eintritt 72/82 Franken

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2018, 18:18 Uhr

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