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Die mit dem Taktgefühl

Früher spielte Georgia Schlagzeug für Kate Tempest, heute macht die Engländerin clubtauglichen Pop.

Melanie Biedermann
Beinahe wäre Georgia Fussballerin geworden: Jetzt schreibt sie eklektische Songs.
Beinahe wäre Georgia Fussballerin geworden: Jetzt schreibt sie eklektische Songs.

«Es ist eigentlich simpel», erklärt uns Georgia Barnes im Gespräch: «Auf der Tanzfläche geht es um nichts anderes als die Musik. Auf einen Akkord folgt ein Beat, und von dem lässt du dich einfach treiben.»

Sich zudröhnen oder coolen Instagram-Pics nachjagen sei nicht mehr ihr Ding, erklärt die Londonerin, die sich als Künstlerin schlicht Georgia nennt. «Nüchtern habe ich Clubs als das erlebt, was sie wirklich sind: Frei­räume.» So sucht man den Hedonismus, den man mit der Szene verbindet – in erster Linie Drogen- und Alkoholexzesse – bei ihr mittlerweile vergebens., erklärt die Londonerin, die sich als Künstlerin schlicht Georgia nennt.

«Mein Debütalbum war stark von London und den Dingen inspiriert, mit denen ich hier aufgewachsen bin: Piratenradios, Grime, das viele Grau – ich wollte all das einfangen, um ehrlich zu sein, hatte ich mich darin aber verloren.» 2015 ist Georgias erster Longplayer erschienen. Die Newcomerin klang damals roh und neu, Kritiker hörten in ihr Rap-Rebellin M.I.A. oder auch Elektro-Punk Peaches. Sie selber nennt etwa Missy Elliott als Inspiration – und erklärt: «Ich hätte gerne ihre Attitude und Kate Bushs Songwriting-Skills.»

Dabei sah lange alles nach einer Sportkarriere aus. Als Achtjährige entdeckte ein Scout die Schülerin auf dem Fussballfeld. Nachdem ihr Trainer gestorben war, sei ihr jedoch alles zu viel geworden, sagt sie. Statt Sport verfolgte Georgia wieder die Musik. Am Schlagzeug sass sie nämlich ebenfalls schon mit acht Jahren. Auch die Liebe für Beats muss schon da in ihr aufgekeimt sein. Ihr Vater – Neil Barnes, Mitbegründer des britischen Progressive-House-Duos Leftfield – hat ihr oft Techno vorgespielt, um ihre Obsession zu fördern.

Würde gerne Songs schreiben wie Kate Bush: Georgia.
Würde gerne Songs schreiben wie Kate Bush: Georgia.

An der Londoner Soas University lernte Georgia die westafrikanische Kora und balinesische Perkussionstechniken. Als Studiomusikerin für Kate Tempest oder Kwes kehrte sie zum Schlagzeug zurück. «Ein Hochdruck-Job», sagt sie. Um der harschen Realität zu entfliehen, begann die Musikerin, ihren eigenen Sound zu produzieren.

Auf dem zweiten Album «Seeking Thrills» (2020) klingt die 30-Jährige noch immer eklektisch, aber zugänglicher. «Feminine without being saccharine» steht im Pressetext. Weiblich, aber nicht überzuckert. Im Track «About Work on the Dancefloor» erinnert sie an Robyn, eine andere Ikone. Das ist ihr grösstes Talent: Georgia klingt vertraut, aber nie nach Klon.

Fr 28.2. — 20 Uhr Exil Hardstr. 245 Eintritt 32 Frankenwww.exil.cl

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