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Die Seele aus dem Leib kotzen

Shame, die fünf Schulfreunde aus London, stehen für krasse Live-Performances und spielen in Europa vor ausverkauften Rängen.

Shame lassen auch auf der Bühne die Sau raus.
Shame lassen auch auf der Bühne die Sau raus.

Das Konzert dauert kaum fünf Minuten, und der Frontmann steht verschwitzt mit nacktem Oberkörper auf der Bühne. Hinter ihm springt der Bassist wie ein Flummi von Eck zu Eck. Der Sound? Prescht harsch, aber harmonisch. Shame wurde von fünf Schulfreunden gegründet, die Bandmitglieder sind zwischen 20 und 21 Jahre alt. In ihrer Heimat bezeichnet sie die Presse bereits als beste Band Englands.

Der Mann oben ohne, Charlie Steen, ist klar kein Adonis, doch auch nicht der dickliche Punk, als den er sich in Interviews bezeichnet. Zu oft stand er in den letzten Monaten auf der Bühne. Zu viel Schweiss floss. Steens Körper krümmt sich zu Songs wie «Tasteless», mal ruckartig, mal geschmeidig, das Mikro schiesst mit jeder Zeile von der einen Hand in die andere. Der Gesang ist so energisch, als liesse Steen nichts weniger als seine Seele auf der Bühne.

Ein Kraftakt, der dem jungen Engländer schon schier den Verstand raubte. «Es muss einer der einzigen Jobs sein, in dem man schlotternd in der Ecke steht, sich schon zwölfmal übergeben hat, kurz vor den Tränen ist», meint Steen im Interview mit NME, «und dann stösst dich der Promoter in die Brust und sagt: ‹Geh auf die Bühne, du Affe, los!›» Im vergangenen Jahr tourte Shame mehrfach durch England, zweimal in den USA, zwischenzeitlich in Australien. Seit der Veröffentlichung des Debüts «Song of Praise» im Januar spielten Shame bereits wieder 120 Konzerte, den Grossteil davon in Europa vor ausverkauften Sälen.

Vier Jahre zuvor probten Steen und seine Bandkollegen Charlie Forbes, Josh Finerty, Sean Coyle-Smith und Eddie Green noch mit geliehenen Instrumenten und einem Becher als Mikro in einer Kammer oberhalb des Südlondoner Queen’s Head Pub, berüchtigt für Drogen und Exzesse und Bands wie Fat White Family, die damals ein und aus gingen. Shame betonen immer wieder, so wild seien sie längst nicht. Es sind aber ohnehin keine Skandale, die die Band so aufregend machen. Es ist die Operation am offenen Herzen, die Shame bei jedem Auftritt zu vollziehen scheinen. Einen urteilsfreien Ort zu schaffen, sei immer das Ziel, sagt Steen zu NME. Wenn ihm das in Zukunft weiter gelingt, macht ihn das wohl doch zu einer Art Adonis.

Fr, 20 Uhr Dynamo Wasserwerkstrasse 21, www.dynamo.ch Eintritt 35 Franken

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