«Einige dachten, ich sei ein Mann»

Niemand verbindet R’n’B, Soul und Gospel so wie Mavis Staples: In ihrer Stimme schwingt ein ganzes Leben mit – seit 60 Jahren.

Wenn Mavis Staples früher in der Kirche sang, begannen die Leute nicht selten zu weinen.

Wenn Mavis Staples früher in der Kirche sang, begannen die Leute nicht selten zu weinen.

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Sie sind bereits in sehr jungen Jahren vor Publikum aufgetreten. Können Sie sich noch erinnern, ob Sie nervös waren?
Nein, nervös war ich nicht. Aber schüchtern und auch aufgeregt! Unser erster Auftritt fand in der Kirche meiner Tante statt. Ich sang gemeinsam mit meinem Vater, meinem Bruder und meinen Schwestern «Will the Circle Be Unbroken». Wir haben uns gefreut, endlich mal woanders als in unserem Wohnzimmer singen zu dürfen. Aber die Leute anschauen konnte ich trotzdem nicht. Die Gemeinde hat dann so laut geklatscht, dass wir den Song noch zwei weitere Male singen mussten.

Ihre Stimme klang schon immer wie vom Leben gegerbt. Schon als junges Mädchen sangen Sie wie eine reife Frau. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Gott hat mir diese Stimme gegeben. Bereits als Kind konnte ich sowohl in hohen als auch in tiefen Lagen singen – obwohl ich sagen muss, dass mir die Baritonlage schon immer am besten gefallen hat. Als unser erster grosser Hit «Uncloudy Day» erschien, dachten die Leute, ich sei ein Mann oder eine dicke, fette Frau. Dabei war ich erst fünfzehn.

Wann haben Sie überhaupt gemerkt, dass Sie eine besondere Gabe haben?
Ich schätze mal, das war auch damals, als uns Pops mit in die Kirche nahm, um zu singen. Plötzlich hatten die Menschen vor mir Tränen in den Augen oder fingen an zu schluchzen. Ich fragte meine Mutter, was mit ihnen los sei. Sie sagte nur: «Liebes, du machst sie glücklich mit deinem Gesang!»

Ihr Vater hat eine grosse Rolle gespielt in Ihrem Leben – als Familienoberhaupt und als Bandleader von The Staple Singers. Hat er diese Rollen unterschiedlich interpretiert?
Nein, da gab es eigentlich keinen Unterschied. Wir haben zu Hause mit dem Singen begonnen – nach dem Vorbild seiner Familie aus Mississippi. Er konnte als Vater und als Band­leader sehr bestimmt sein und hat uns Disziplin gelehrt. Dank ihm hatten wir trotz dem Erfolg eine erfüllte und recht normale Kindheit und Jugend.

Ihre Musik transportiert Freude und Hoffnung. Welche Musik hat den gleichen Effekt auf Sie?
Alle möglichen Arten von Musik. Auf Tour hören wir immer einen Sender, der nur die alten Soul- und R-’n’-B-Klassiker spielt. Die klingen ­immer noch gut und rufen bei mir schöne Erinnerungen wach. Aber ich mag auch die grossen Pophits von Adele, Justin Bieber, Sia oder ­Pharrell Williams.

Zuletzt haben Sie mit Arcade Fire und The Gorillaz gearbeitet. Gibt es einen zeit­genössischen Künstler, der Sie besonders beeindruckt?
Da gibt es einige! Damon Albarn ist einer von ihnen. Er ist witzig und brillant. Aber wenn ich nur einen nennen darf, dann bleibe ich in meiner Heimatstadt Chicago und sage: Chance the Rapper. Er hat seinen eigenen Stil, und er macht viel für die Gemeinschaft. Das beeindruckt mich.

Freitag, 20 Uhr, Kaufleuten (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.07.2017, 14:42 Uhr

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