Er erlebt seinen zweiten Frühling

«Still Not Dead Yet» heisst die aktuelle Tournee von Phil Collins, der Jahrzehnte als uncool galt.

Blick nach vorne: Der 80er-Rockstar denkt nicht an den Ruhestand.

Blick nach vorne: Der 80er-Rockstar denkt nicht an den Ruhestand.

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Es sind die bekannten Covers mit den bekannten Fotomotiven, aber Phil Collins ist auf ihnen um 30 Jahre gealtert. Für die Wiederveröffentlichung seiner frühen Soloalben liess sich der Sänger und Schlagzeuger 2016 noch mal in den Posen von einst ablichten. Man sieht jede Furche, jede Falte. Der direkte Vergleich zeugt von Mut und Ehrlichkeit, das muss man dem 68-Jährigen lassen. Und es ist ein starkes Statement.

Die Neuauflage seines Solowerks ab 1981 hat den Briten nach einer langen Pause wieder ins Rampenlicht gerückt. Der ehemalige Frontmann von Genesis hatte seine Probleme – privater Art, aber auch als Künstler. In den 80ern war er ein omnipräsenter Superstar, danach als Sänger grandios verpönt. Phil Collins schlecht zu finden, gehörte zum guten Ton, der Sänger wurde hochstilisiert zum Inbegriff einer musikalisch als schlimm empfundenen Zeit. Diese Abschätzigkeit liess den vordergründig stets so schlagfertigen, witzigen Entertainer nicht kalt. Er verschanzte sich zu Hause, sah fern und begann zu trinken.

Er schrieb Hits, die heute noch jeder kennt: Phil Collins mit «Another Day in Paradise». Video: YouTube/Phil Collins

Dann veränderte sich die Dynamik unvermittelt. Auf einmal bezogen sich junge Acts auf den Sänger, der so bekannte Ohrwürmer wie «Another Day in Paradise», «In the Air Tonight» oder «Against All Odds» geschrieben und weltweit rund 250 Millionen Tonträger verkauft hatte. Collins sah den Moment gekommen, um aus der Versenkung aufzutauchen. Neben der Neuauflage seines Gesamtwerks gabs ein Best-of-Album, ausserdem kehrte er 2017 unter dem selbstironischen Motto «Not Dead Yet» auf die Bühne zurück.

Und nun die Fortsetzung: «Still Not Dead Yet» heisst die aktuelle Welttournee. Es ist die Krönung eines gelungenen Rundumschlags – und der vielleicht letzte Höhepunkt einer langen Karriere.

Di — 18:45 Uhr
Stadion Letzigrund
Badenerstr. 500
Eintritt 125–200 Franken
www.stadionletzigrund.ch

(Züritipp)

Erstellt: 12.06.2019, 15:05 Uhr

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