Er kehrt heim

Der Chansonnier Stephan Eicher stellt am Live at Sunset in einer Art Vorpremiere sein neues Projekt vor.

Der Chansonnier hat sich wieder mit Bestsellerautor Martin Suter zusammengelegt.

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Aus den vielen Begegnungen mit Stephan Eicher ist diese am stärksten in Erinnerung geblieben. 1991 hatte Eicher die versammelte Schweizer Musikpresse nach Engelberg geladen, um das gleichnamige, noch nicht veröffentlichte Album zu präsentieren. Im Casino, wo er das Werk eingespielt hatte, stand Eicher den angereisten Journalisten und Journalistinnen so gut Rede und Antwort, wie er das konnte oder wollte. Auf die Frage, warum er Hank Williams’ «I’m So Lonesome I Could Cry» mit Johann Sebastian Bachs «Jesus, bleibet meine Freude» zusammengeschweisst hatte, wusste Eicher in Engelberg keine zündende Antwort. Die Paarung von Country und Klassik sei ihm einfach sinnig erschienen, sagte er etwas fahrig. Die konzeptionelle Willkür passte gut zu diesem Musiker, der sich als genialer Dilettant präsentierte. Einer, der niemandem eine Erklärung schuldig war.

Tatsächlich war dieser Stephan Eicher eine Kunstfigur, die sein damaliger Manager Martin Hess mitentwickelt hatte. Dank diesem medialen Schutzschild konnte der an sich scheue Musiker Millionen Platten verkaufen, weit entlegene Städte beschallen und gar das eitle Pariser Konzertpublikum vorübergehend für Mani Matters Musik sensibilisieren. Diese Kunstfigur hatte wie alle anderen Kunstfiguren auch eine Halbwertszeit. Und als Eicher die Rolle des überlegenen Weltbürgers abstreifte, gingen er und Martin Hess getrennte Wege.

Seit dieser Zäsur, die um die Jahrtausendwende geschah, wird Eichers Musik zunehmend stadionresistent: Viele der schönen Songs aus «Eldorado» (2007) und «L’envolée» (2012) sind zu leise, als dass sie sich mühelos in grossen Sportstätten aufführen liessen. Die Neudimensionierung hat Eicher gutgetan, seine Musik wirkt heute intimer, verspielter und auch authentischer. Parallel dazu besinnt sich der ehemalige Kosmopolit verstärkt auf seine Schweizer Wurzeln. Seit «Eldorado» verdrängt der helvetische Vielschreiber Martin Suter den französischen Romancier Philippe Dijan zunehmend als Eichers Textlieferanten. Mit dem gemeinsam verfassten Singspiel «Geri» gelang den beiden 2010 gar ein ­Musicalerfolg.

Mit Suter hat Eicher auch das neue Album- und Buchprojekt «Songbook» entwickelt, das im November erscheinen soll. Viel mehr ist zurzeit nicht bekannt, ausser dass die zwei Exil-Schweizer neue Songs und neu auch Prosa zusammengetragen haben. Das Konzert am Live at Sunset mit Gästen wie Steff la Cheffe und Heidi Happy wird jetzt als kleine Vorpremiere aufs «Songbook» beworben. Was sicher ist: Auf Hank Williams und J.S. Bach muss Eicher nicht mehr zurückgreifen. Wenn er nach Inspiration ringt, findet er diese bei den eigenen Landsleuten.

Sa, 20.30 Uhr Live at Sunset, Dolder, www.liveatsunset.ch Eintritt ab 80 Franken

Erstellt: 08.07.2017, 16:44 Uhr

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