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Er predigt für seine Fans

Kevin Morby beschäftigt sich auf seinem Album mit der Religion und spielt die Songs allein mit Gitarre und Piano.

Keine Berührungsängste: Der Singer-Songwriter zeigt sich jetzt intim.
Keine Berührungsängste: Der Singer-Songwriter zeigt sich jetzt intim.

«Oh my God» kann ja auf zwei Arten verstanden werden: als Ausruf des Erstaunens oder als Anrufung einer höheren Macht. Kevin Morby hat sein fünftes Album «Oh My God» genannt und will damit beide Bedeutungen aufgreifen. Es ist seine Bestandsaufnahme der USA unter Trump. «Jedes Mal, wenn ich die Nachrichten verfolgte, entfuhr mir ein ‹Oh my God›», sagt er, «egal, ob ich lachte, leer schluckte, ängstlich oder aufgeregt war.»

Die Songs von «Oh My God» stehen mit Titeln wie «Hail Mary» oder «Seven Devils» aber auch für die Suche nach Spiritualität. Er habe den Ausruf als «Brotkrumenpfad zu etwas Religiösem» benutzt, erklärt der 31-Jährige, der von Los Angeles in seine Heimatstadt Kansas City zurückgezogen ist.

Er sei selber nicht religiös, sagte Morby «The 405», aber die Religion und das entsprechende Vokabular seien im Mittleren Westen überall präsent. Und zu Hause hat er auch religiöse Bilder an den Wänden, etwa mit der heiligen Cäcilia von Rom, der ­Patronin der Musiker. «Mich interessiert diese Kunst, aber genauso interessiert mich die Kultur des Wilden Westens.»

Die religiöse Sprache ist in seinen fein ausgearbeiteten und poetischen Texten Mittel, um weltliche Dinge wie Tod, Trennung, Suche und Hoffnung zu beschreiben. Morby nennt hier Patti Smith, Leonard Cohen oder Lou Reed als Vorbilder, die für ihn in ihren Songs Ähnliches vollbracht haben.

Mit dem inhaltlichen Konzept von «Oh My God» hat Morby, der einst als Bassist bei Woods begann, auch sein Instrumentarium verändert und erweitert: Prägte früher mehrheitlich die Gitarre seine Stücke, so sind auf dem Doppelalbum Gospel-Chöre, Piano, Orgel, Saxofon, Flöte und Harfe zu hören. Entsprechend war er im Frühjahr live mit einer grösseren Band unterwegs. Für die aktuellen Auftritte kommt er aber nun solo mit Gitarre und dem Piano, der Abend wird also auf intime Art durchaus spirituell. ­Kevin Morby gibt dabei mit Charme und auch Humor den Prediger – einer, der immer noch mehr der Musik als Bibelversen ­verbunden ist.

Sa 9.11. — 19:30 Uhr Mascotte Theaterstr. 10 Eintritt 36 Franken www.mascotte.ch

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