«Frauen sind oft mutiger und vielseitiger»

Frauen hinter dem DJ-Pult sind noch immer eine Minderheit. Wie ist es, in dieser männerdominierten Szene mitzuspielen? Drei DJanes erzählen.

Natalie Brunner, alias Playlove geht gerne Experimente ein.

Natalie Brunner, alias Playlove geht gerne Experimente ein.

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DJ Playlove

Wie sind Sie DJ geworden?
Mein bester Freund hatte zu Hause ein DJ-Set-up. Mit etwa 17 Jahren habe ich angefangen, Vinyl aufzulegen. 1999 habe ich mir dann mein eigenes Equipment step by step zugelegt und angefangen, selber Partys zu organisieren, weil mich damals keiner buchen wollte. Es war damals schon schwierig, sich in die Szene zu integrieren.

Wer hat Sie am meisten beeinflusst?
Electric Indigo – Gründerin von Female Pressure Network und Wiener Pionierin der internationalen Technoszene seit Anfang der 90er-Jahre.

Die Clubszene wird von Männern dominiert. Wie spüren Sie das?
Man arbeitet hauptsächlich mit Leuten zusammen, mit denen man verbandelt ist. Oft sind es nun mal Männerfreundschaften – ein Kumpel-bucht-Kumpel-Ding. Wenn Frauen sich untereinander organisieren, werden sie meistens als Lesbenverein oder Woman-only-Veranstaltungen wahrgenommen.

Was können Männer von Frauen im DJ-Business lernen?
Sie könnten an ihrem Ego schrauben und sich eine gewisse Feinfühligkeit aneignen. Und wenn es um die Musikauswahl geht, sind Frauen mutiger und spielen oft vielseitiger.

Frauen sind bei der Musikwahl oft mutiger und vielseitiger

Was können Frauen von Männern lernen?
Mehr Selbstvertrauen. Und so mit ihrer ­Musik und ihrem Talent einfach rausgehen. Mehr Mut, Ladys!

Sind die Leute kritischer gegenüber einer Frau?
Ja, ihr Äusseres sowie die technischen Skills werden stark unter die Lupe genommen.

Stichwort Frauenquote: Ist die Förderung von DJ-Frauen notwendig?
Ich finde die Förderung von Vernetzung sehr wichtig, Quoten eher übertrieben. Die Clubs und Booker sollten sich besser informieren und jungen weiblichen Talenten eine Chance geben.

Genderdiskussion im Nachtleben. Nervt Sie das?
Nein, ich setze mich intensiv damit auseinander, vor allem in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im OK des Vereins Les Belles De Nuit, der mit dem gleichnamigen Festival Frauen in der Clubkultur besser zu vernetzen versucht. Ich finde die Diskussion wichtig, aber es sollte dabei der Spass an der Sache nicht verloren gehen. Und doch nervt es mich, weil es ein langer Weg ist und Dinge sich nicht von heute auf morgen ändern. Die Diskussion geht immer wieder von vorne los. Das ist natürlich auch zermürbend, deshalb: Einfach machen, weniger reden!

Auf dem Wagen #13 des Klaus-Club; am Sonntagnachmittag an der Lethargy www.lesbellesdenuit.ch


DJ Patrischa

Die Clubszene wird von Männern dominiert. Wann spüren Sie das?
Beim Auflegen. Neben mir gibts im Line-up nur ganz selten eine andere Frau.

Sexy Kleider und viel Schminke? Oder möglichst alltäglich? Wie stehen Sie dazu?
Ich bin eher der natürliche Typ, daher sieht man mich meist mit wenig Schminke und in gemütlichen Kleidern. Grundsätzlich finde ich, dass sich die Frauen so kleiden und schminken sollen, wie sie sich wohlfühlen.

Was können Männer von Frauen im DJ-Business lernen?
Vielleicht einmal das Ganze aus einer anderen Perspektive betrachten. Ausgehend von der einfachen These «Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus». Denn Frauen denken und handeln ganz anders als Männer. Ein Austausch untereinander könnte also sicherlich helfen, den Horizont zu erweitern – beidseitig.

Sind die Leute kritischer, wenn eine Frau hinter dem DJ-Pult steht?
Nicht mehr zwangsläufig. Klar gibt es nach wie vor Leute, die Frauen gegenüber kritischer sind. Aber ich kenne auch viele, die Frauen und Männer in diesem Punkt gleich betrachten.

Stichwort Frauenquote: Ist die Förderung von DJ-Frauen notwendig?
Frauen gehören nach wie vor zu einer ­Minderheit in dieser Branche, daher befürworte ich eine Förderung. Ich sehe hin und wieder ein Line-up, bei dem ich denke: Eine Frau würde hier doch nochmals einen ganz anderen Vibe reinbringen.

Man kann in Bezug auf die Genderfrage auch zu viel diskutieren. Es sollte ja vor alle, um eines gehen: Musik.

Quotenfrau hinter dem DJ-Pult. Wie oft werden Sie wegen Ihres Geschlechts gebucht?
Hoffentlich nicht zu oft, ich möchte schliesslich für meine Musik gebucht werden und nicht für mein Geschlecht.

Genderdiskussion im Nachtleben. Nervt Sie das?
Nerven würde ich nicht sagen, aber wie bei vielen Themen kann auch zu viel darüber diskutiert werden. Ich finde, dass es eine wichtige ­Thematik ist, aber schlussendlich sollte es immer noch vor allem um eines gehen: Musik.

Am Samstag an der Cityfox im Supermarket. www.djpatrischa.com


DJ Nora en Pure

Wie sind Sie zum DJing gekommen?
Freunde von mir hatten Studios. Das Nora- En-Pure-Projekt war anfänglich mehr Spielerei und ein Hobby, und es hat auch lange niemanden gross interessiert. Das DJing hatte ich mir selbst in meiner Küche beigebracht. Damals hätte ich auch niemals gedacht, dass ich einmal bei den grössten Festivals wie Coachella und Tomorrowland auf der Mainstage auftreten würde.

Wer hat Sie am meisten beeinflusst?
Ich bin ein grosser Fan von Joris Voorn und bewundere seine Sampletechnik beim Livespielen. Musikalisch wurde ich stark von Filmmusik beeinflusst. Mit diesem Hintergedanken soll meine Musik immer eine Art Wanderlust wecken.

Die Clubszene ist männerdominiert. Wann haben Sie dies zum ersten Mal realisiert?
Keine Ahnung, das gibt es ja in vielen Bereichen. In einigen Jobs sind halt eher Männer in der Mehrheit. Für mich hat das nie eine grosse Rolle gespielt. Klar gibt es Situationen, in denen Stage Managers erst meinen Tour Manager angesprochen haben oder fragen, zu wem ich gehöre. Sie erwarten wohl, dass ein Mann spielt. Ich deute das überhaupt nicht feindselig, es ist ziemlich sicher alleine der Gewohnheit zuzuschreiben. Aber sogar mir passiert es, dass ich auf der Bühne oder im Club oft nach Männern suche, wenn es um Technik geht, und schon ab und zu eine Frau erst übersehen habe.

Kann schon sein, dass Patzer bei Frauen eher dem Geschlecht zugeschrieben werden

Sexy Kleider und viel Schminke? Oder möglichst alltäglich? Wie stehen Sie dazu?
Ich bin da, um gute, qualitative Musik zu spielen, und konzentriere mich auf mein Set. Daher trage ich meistens sportlich bequeme, simple Kleidung, in der ich mich wohlfühle und fokussiert sein kann.

Sind die Leute kritischer gegenüber einer Frau?
Das kann ich selber schlecht beurteilen. Ich fühle mich stets gut akzeptiert und denke ehrlich gesagt gar nicht erst an so etwas. Aber es kann schon sein, dass zum Beispiel Patzer bei Frauen schneller dem Geschlecht zugeschrieben werden als bei Männern. Es gibt aber auch Leute, die Frauen am DJ-Pult sehr feiern. Solche Gedanken mache ich mir aber gar nicht erst, ich bin ziemlich perfektionistisch und möchte einfach immer mein Bestes geben.

Stichwort Frauenquote: Ist die Förderung von DJ-Frauen notwendig?
Notwendig ist die Förderung guter Musik, völlig egal, ob Mann oder Frau.

Genderdiskussion im Nachtleben. Nervt Sie das?
Ja, ein bisschen. Ich finde das Thema etwas überflüssig. Vielleicht würde ich anders denken, wenn ich selbst konkrete Probleme erlebt hätte.

Erzählen Sie uns vom letzten Chauvinistenspruch im Club?
Noch nie erlebt.

Derzeit auf US-Tournee. www.noraenpure.com (tipp)

Erstellt: 09.08.2017, 15:26 Uhr

Street Parade

Um 13 Uhr startet die 26. Street Parade traditionell am Utoquai. Angeführt wird der 30 Gefährte lange Tross vom Love-Mobile des World Club Dome, der sich selbst als «The Biggest Club In The World» bezeichnet. Nach dem 2.4 Kilometer langen Umzug wird bis Mitternacht auf den regulären Bühnen weitergefeiert – zum Beispiel auf der Opéra Stage beim Bellevue. Die Partys in den Clubs der Stadt und Agglomeration gehen bis Montagmorgen. So passt auch das diesjährige Motto: «Love never ends.»

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