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«Fürchten muss man uns nicht»

Hiromi Gut ist Gründerin und Künstlerische Leiterin von Guerillaclassics. Am «s’Fäscht» bespielt der Verein ungewöhnliche Locations.

Will den Leuten die Klassik näherbringen: Hiromi Gut.
Will den Leuten die Klassik näherbringen: Hiromi Gut.

Guerillaclassics organisiert Konzerte an überraschenden Orten. Muss man sich jetzt in Fussgängerunterführungen vor klassischen Musikern fürchten wie vor Pantomimen?

Guerillaclassics ist für mich ein Aufbruch, der sich von den Konventionen des klassischen Musikbetriebs löst. Wir wollen überraschen, die Leute zum Staunen bringen, Musik in ihren Alltag bringen und sie innehalten lassen. Das könnte schon mal in einer Fussgängerunterführung passieren, aber fürchten muss man sich deswegen nicht.

Gab es auch schon negative Reaktionen auf Ihre Aktionen?

Nein, das Schlimmste ist, wenn die Leute so mit ihren Handys beschäftigt sind, dass sie gar nicht bemerken, was um sie herum geschieht.

«Die Kunst ist, von der Akustik her das richtige Instrument für das richtige Setting zu finden.»

Hiromi Gut

Am «s’Fäscht» bespielen Sie jeden Tag eine andere Location. Keine Angst vor Abnützungserscheinungen?

Nein, Zürich hat unzählige Orte, die sich wunderbar für Musik eignen. Die Kunst ist, von der Akustik her das richtige Instrument für das richtige Setting zu finden. Ein schönes Beispiel ist das Konzert vom 2. Juli. Die Sängerin Corinne Angela Sutterer hat mir erzählt, dass sie in der Bahnhofshalle immer am liebsten gleich drauflossingen würde. Und da sie den Riesenraum mit ihrer Stimme auch füllen kann, tut sie das jetzt.

Die Konzerte sind kostenlos. Wie finanzieren Sie sich?

Das Ziel ist, dass die Konzerte gratis bleiben. Daher haben wir jetzt SMS-Spenden eingeführt – als Ergänzung zu Kollekte und Förderbeiträgen.

Melden sich die Musiker von selber bei euch oder müsst Ihr sie suchen?

Ich würde sagen, wir finden einander, sobald sich eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit ergibt. Das ist ein komplexes Zusammenspiel. Zuerst braucht man einen interessanten Ort und den geeigneten Künstler, der diesen bespielen kann. Aber auch Timing, Programm und nicht zuletzt die Community vor Ort müssen passen. Mittlerweile haben wir einen Pool von bereits über 100 Künstlern, die mit guerillaclassics zusammenarbeiten und mit uns gemeinsam versuchen, solch ein Zusammenspiel zu verwirklichen.

«Wie kann man die Musik eines vom stalinistischen Regime unterdrückten Komponisten für die Leute hier und jetzt, vielleicht für Hipster, erlebbar machen?»

Hiromi Gut

Beim «s'Fäscht» werden spontan Liebesbriefe vertont und legen sich Opernarien auf die Psychoanalytiker-Couch. Vor was würdet Ihr zurückschrecken?

Es freuen sich im Pool immer alle, wenn wir eben genau an diesen Punkt gelangen, wo die Frage aufkommt, ob man davor zurückschrecken soll. Und da ist unser Anreiz, einen kultivierten Weg zu finden, wie man das eben nicht muss. Zum Beispiel Morgen bei «Schostakowitsch in the Dark» steht auch diese Frage im Hintergrund. Wie kann man die Musik eines vom stalinistischen Regime unterdrückten Komponisten für die Leute hier und jetzt, vielleicht für Hipster, erlebbar machen? Für Leute, die noch nie von Schostakowitsch gehört haben?

Kann man sich für die Konzerte anmelden?

Wir haben Anmeldungen überall abgeschafft, auch beim wahrscheinlich vollen Konzert in der Calatrava-Bibliothek. Wir möchten spontane Guerillas bleiben.

Do 27.6. bis Di 2.7. Diverse Orte Eintritt freiwww.guerillaclassics.org

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