«Ich wünschte, die CIA würde meinen Film finanzieren»

Der Anti-Folk-Held Adam Green hat mit uns über Zürich, sein neustes Album und Verschwörungstheorien gesprochen.

Schon lange nicht mehr gesehen: Der 38-jährige Musiker kommt mal wieder nach Zürich.

Schon lange nicht mehr gesehen: Der 38-jährige Musiker kommt mal wieder nach Zürich. Bild: Pete Voelker

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Sie haben schon so manches Schweiz-Konzert gegeben. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes?
Ich glaube, das war um 2004 in der Roten Fabrik. Wir sind mit dem Tourbus am Zürichsee angekommen, und da sass ein nackter Mann und rauchte eine Pfeife. Ich erinnere mich, wie ich ­damals dachte: Das ist also die Schweiz.

Hat Ihnen dieses Bild gefallen?
Ja, ich fand das cool. Inzwischen weiss ich, dass Zürich auch mitunter die besten Museen der Welt hat. Das Kunsthaus ist der Knaller.

Mit Ihrem Album «Aladdin» veröffentlichten Sie einen Film. Teile der Kulisse stellten Sie in der Fondation Beyeler aus. Diesmal haben Sie einen Comic gezeichnet. Reicht Ihnen die Musik nicht?
Die Musik ist immer da, sie ist gewisser­massen ein Nebenprodukt meines Lebens. Und sie hilft beim Verorten; meine Songs erinnern mich daran, wo ich zu einem bestimmten Zeitpunkt war und wie es mir damals ging. Mit einem Buch oder einem Film verbringt man Monate, manchmal Jahre. Das ist anders, viel fokussierter.

Ich wollte, dass es klingt wie ein 30 Jahre im Fass gereifter Whiskey oder Cognac.Adam Green

Stimmt es, dass Ihr Comic eigentlich auch ein Film hätte werden sollen?
Ja, aber meine Ideen sind einfach nicht sehr kommerziell. Für so persönliche Arbeiten gibt es in der heutigen Welt keine Fördergelder.

Ärgert Sie das?
Ich habe eine Familie und ein interessantes Leben, und ich würde meine Karriere gegen keine andere tauschen wollen. Aber ich fühle mich als Künstler manchmal missverstanden.

Inwiefern?
Ich glaube, Kunst wird nur noch wertgeschätzt, wenn sie als kommerzielles Produkt vermarktet wird. Aber ein Comic ist keine Red-Bull-Dose, man muss sich bemühen, um die Gedanken dahinter zu verstehen. Heute nimmt sich aber niemand mehr Zeit. Dieser Vibe stört mich.

Ihr neues Album «Engine of Paradise» hat eine Spielzeit von 21 Minuten. Auch deshalb?
Ja, es ist kurz. Ich glaube aber, vielen Leuten wären selbst sieben Minuten noch zu viel.

Es ist auch Ihr insgesamt zehntes Album. Hatten Sie besondere Gedanken dazu?
Ich wollte, dass es klingt wie ein 30 Jahre im Fass gereifter Whiskey oder Cognac; warm und gemütlich, nach etwas, womit man sich wohlfühlt.

Was ist die Verbindung zum Comic?
«War and Paradise» ist quasi ein Sequel zu «Aladdin» und spielt in derselben Welt, genannt Regular World. Die Menschen dort gehen in den Krieg gegen KI-Insekten, eine hyper-­intelligente Rasse, die von einem Tech-Unter­nehmer kreiert wurde. Sie haben Angst, dass die Insekten ihnen die Jobs wegnehmen.

Ich wünschte, die CIA würde meinen Film finanzieren.Adam Green

Sie haben die Geschichte zusammen mit Ihrer Frau Yasmin geschrieben, die bei Google arbeitet.
Genau. Wir sprechen viel über Schnitt­stellen von Kunst, Technologie und Politik und darüber, was es bedeutet, in diesem technologischen Tornado zu leben. Das beeinflusst meine Arbeit sehr.

Wie stehen Sie zu Verschwörungstheorien?
Yasmin ist Expertin, deswegen kenne ich ­einige. Mein derzeitiger Favorit ist, dass die ­Tabaklobby hinter den Meldungen steckt, Vaping sei krebserregend.

Das klingt immerhin glaubhaft.
Manche Theorien sind ja auch wahr. Die CIA hat offenbar in den 50ern abstrakte expressionistische Kunst gefördert, weil sie der Auf­fassung war, dass Jackson Pollocks Arbeiten als Anti-Sowjet-Propaganda taugen. Ich wünschte, die CIA würde meinen Film finanzieren.

So 3.11. – 20 Uhr
Papiersaal
Kalanderplatz 6
Eintritt 37 Franken
www.papiersaal.ch

Erstellt: 02.11.2019, 14:31 Uhr

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