Zum Hauptinhalt springen

In der Dunkelzeit

Eigentlich hat sich die Indie-Rock-Band Efterklang aufgelöst. Die Mitglieder machen als Liima noch immer gemeinsam Musik – jedoch viel düsterer.

Diese Dänen und der Finne sind so modisch wie musikalisch.
Diese Dänen und der Finne sind so modisch wie musikalisch.

Efterklang spielten oft in Zürich. Und meist brachten die Dänen auf ihren Tourneen auch interessante Gastmusiker mit: Budgie, den ehemaligen Schlagzeuger bei Siouxsie and the Banshees, oder Peter Broderick und seine Schwester Heather Woods. 2012 stiess auch der finnische ­Perkussionist und Drummer Tatu Rönkkö zur Liveformation.

Als die Efterklang-Gründer Mads Brauer, Casper Clausen und Rasmus Stolberg ein Jahr später eine unbefristete Auszeit der Band verkündeten, war klar, dass die Vollblutmusiker nicht lange still sein würden. Die drei zogen von Kopenhagen nach Berlin und Lissabon und starteten, nachdem sie 2015 an ein Festival in Finnland eingeladen worden waren, das Projekt Liima – das finnische Wort für Kleber – mit Rönkkö als festem Mitglied.

Liima wohnten zusammen im Norden in einer kleinen Hütte, gingen in die Sauna und danach im See schwimmen und merkten schnell, dass die Konstellation für eine neue Band passte. «Tatu ist ein begnadeter Schlagzeuger und kann dich mit seinem Spiel fesseln. Man kann dann nicht mehr weggucken», sagt Sänger Mads Clausen.

Liima begann als Improvisations­projekt: «Wir haben einfach losgelegt. Es gab kein Konzept und auch keinen Masterplan», so Clausen. Das Debütalbum «ii» (2016) entstand in zahlreichen Sessions an unterschiedlichen Orten in Europa: ­Madeira, Istanbul, London, Berlin. Für das aktuelle Werk «1982» reiste die Band in den kleinen finnischen Ort Porvoo. Produziert hat es Chris Taylor von Grizzly Bear. Als Referenzpunkte dienten ihre Kindheit in den Achtzigern, Bands wie Joy Division, Depeche Mode, Videogames und Filme wie «Blade Runner».

Die Stücke verströmen Nostalgie, verweisen aber mehr auf die dunkleren und kälteren Seiten des Synth-Pop und Post-Punk der Achtziger. Keyboarder Mads Brauer lässt Flächen und Töne in die Nacht rieseln, während Sänger Clausen mit viel Hall arbeitet und den Songs Weite gibt. Rönkkös Beats und Stolbergs Bass verzahnen sich zu einem tiefen Groove, der selten den direkten Vorwärtsgang wählt.

Liima testeten die neuen Songs auch an Schulkonzerten im nördlichsten Teil Norwegens in der Polarnacht, in der die Sonne nie aufgeht und alle Strassen vereist sind. «Mørketid» nennen die Norweger diese Tage, Dunkelzeit. Das passt auch zu den Stücken von Liima, die mit ihren bittersüssen Melodien aber auch stets die Rückkehr des Lichts ankünden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch