Zum Hauptinhalt springen

Statt Pastor wurde er Musiker

Ist es in Ordnung, die Liebesbeziehung für Songs auszuschlachten? Das fragt sich der Father John Misty auf seinem neusten Album.

«Die Welt geht morgen unter. Der Unterricht fällt deshalb aus», verkündete der ultrareligiöse Lehrer seiner Klasse. Unter den Schülern: der damals 10-jährige Joshua Tillman. Wie seine Gspäändli ging er nach Hause, fest überzeugt: Er wird sterben. Doch der nächste Tag brach heran, die Schulglocke läutete. «Die Erwachsenen taten so, als wäre nichts gewesen», erinnerte sich Tillman noch Jahrzehnte später. Seine Kindheit in der streng christlichen Umgebung hat ihn geprägt: «Ich lebte ständig in der Angst, nach dem Tod in der Hölle zu landen.»

Sein Berufswunsch war trotzdem Pastor. Heute ist er Musiker. «Ich wollte mich für immer von der Langeweile und dem Schmerz meiner Kindheit befreien und nur noch Spass haben», sagt der Amerikaner. Sein erstes Soloalbum «Untitled No. 1» brachte er 2003 heraus. Seit sechs Jahren tritt er unter dem Künstlernamen Father John Misty auf. Dass er Drummer bei der amerikanischen Indie-Band Fleet Foxes war, hört man seinen Songs noch immer an: Er hat ein feines Gespür für Timing und ein grosses Faible für reichhaltige Melodien. So entsteht Folk, der in den 70er-Jahren vermutlich noch ein grosses Publikum gefunden hätte.

Sein neues Album heisst «God’s Favorite Customer». Es erschien nur ein Jahr nach seinem Vorgänger. Entstanden ist es hauptsächlich in den zwei Monaten, in denen Tillman aus physischen und psychischen Gründen in einem Hotel lebte. Trotzdem ist ihm ein Meisterwerk gelungen, das vom strengen Blog «Pitchfork» mit 8,5 von 10 möglichen Punkten ausgezeichnet wurde.

Was besonders gefällt: Tillmans Humor und Selbstironie. Er singt über die Politik, die Gesellschaft. Aber auch über sich und seine Liebe. Denn wie bei seinen vorherigen Alben waren seine Frau und die Beziehung zu ihr Tillmans grösste Inspiration. Doch die Ehe kriselte, seine Frau hat ihn gar kurzzeitig verlassen. Und so fragt er in der Ballade «The Songwriter»: War es in Ordnung, die Beziehung immer wieder öffentlich zu thematisieren? Was hätte seine Frau gemacht, wenn sie Musikerin wäre? Diese Fragen führten zum schönsten Song auf der Platte.

Sa — 20 Uhr Rote Fabrik Aktionshalle, Seestr. 395 Eintritt 45 Frankenwww.rotefabrik.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch