Nachfolger von Metallica

Rock soll vom Aussterben bedroht sein, heissts. Dass das harte Spiel mit den sechs Saiten lebt, zeigen junge Bands an den Winterthurer Musikfestwochen.

Jugendliche Energie – und lange Haare haben The Amazons.

Jugendliche Energie – und lange Haare haben The Amazons.

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Unter dem Titel «Why my guitar gently weeps» veröffentlichte die «Washington Post» im Juni einen grossen Artikel, der ein düsteres Bild malte: Die elektrische Gitarre – Inbegriff des Rock und von jugendlicher Rebellion – weine und sterbe einen langsamen Tod. Die Instrumentenverkäufe seien rückläufig, es fehlten Gitarrenhelden wie früher Jimi Hendrix, und überhaupt interessiere sich die Jugend für alles andere als die Kraft der sechs Saiten. Und auch die alten Kämpen von Metallica machten sich in einem Gespräch mit Fans Sorgen um den Rock: «Wenn wir abtreten, wer bleibt dann noch?»

Nun, ein Blick ins Programm der Winterthurer Musikfestwochen zeigt, dass der Rock durchaus lebt. The Amazons, Killjoy und Pre­occupations mögen mit England, der Schweiz und Kanada aus unterschiedlichen Ländern kommen und die Gitarre verschiedenartig einsetzen. Aber alle drei Bands machen gar nicht den Eindruck, als würde ihnen in nächster Zeit der Strom ausgehen. Bei allen hat der Rock Power, er fordert, und er lärmt.

Richtung Stadien schielen

Preoccupations, die früher Viet Cong hiessen, attackieren mit ihrem Post Punk, ihr Sound ist intensiv, bedrohlich und manchmal brutal. Ohne Umschweife geht es auch bei Killjoy aus Zürich los: Die Gewinner des letztjährigen Band-it-Wettbewerbs schreddern ihre Punk-Rock-Songs mit Verve in unter drei Minuten. Jugendliche Energie und Charme ebenso bei The Amazons, die einen ansteckenden Indie-Rock pflegen, auch mal Richtung Stadien schielen und in Songs wie «Black Magic» – aufgepasst, Metallica! – sich steigernde Gitarrensoli einbauen.

Diese Bands zeigen, dass sich der Rock von heute nicht um früher schert, sondern der Popwelt von nivellierten Spotify-Playlists wieder eine Dringlichkeit und etwas Ungestümes entgegenhalten kann. Die Gitarre weint also nicht, sie tobt laut. Man kann es darum gern mit Butch Vig halten. Der Produzent von Grössen wie Sonic Youth, Nirvana oder Green Day sagte kürzlich: «Kann es wieder eine Band wie Nirvana geben? Ich glaube schon.»

Killjoy - Sa 12.8., 19.30 Uhr, Kirchplatz

Preocupations - Di 15.8., 22 Uhr, Albani

The Amazons - Do 17.8., 20.15 Uhr, Steinberggasse

Alle oben aufgeführten Konzerte sind gratis. Das Festival in der Winterthurer Altstadt geht noch bis zum 20.8. www.musikfestwochen.ch (Zueritipp)

Erstellt: 09.08.2017, 14:42 Uhr

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