«Popmusik langweilt mich ­einfach»

Hozier schreibt internationale Hits, etwa «Take Me To Church». Doch von Charts hält er nicht, wie er uns erzählt hat.

Will nicht von sich, sondern von der Gesellschaft singen: Der 29-Jährige Musiker Hozier.

Will nicht von sich, sondern von der Gesellschaft singen: Der 29-Jährige Musiker Hozier. Bild: Rachel Wright

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Machen Sie nach dem Hype um Ihr Debüt vor fünf Jahren eigentlich noch gerne Album-Promo?
Ich spreche gerne über meine Arbeit, aber nicht besonders gern über mich.

Sie hatten grosse Mühe, den Protestsong «Nina Cried Power» zu schreiben, den Sie verschiedenen Menschenrechtsaktivisten widmeten. Wieso?
Ich wollte etwas machen, das absolut unzynisch ist.

Inwiefern?
Ich habe schon genug Songs voller Zwei­deutigkeiten, Ironie oder eben Zynismus. Mir war danach, schamlos hoffnungsvoll zu sein.

Was war nun das Problem?
Der Song ist ein Loblied auf die Protest­kultur und deren frühere Protagonisten. Wir ­leben in Zeiten politischer Spaltung. Ich machte mir Sorgen, dass der Song den Leuten zu weit geht. Kein Künstler will als Moralprediger wahrgenommen werden.

Seit neun Monaten onine – 13 Millionen Aufrufe: «Movement» von Hozier. Video: YouTube/Hozier

Dabei haben Sie doch mit Ihrem bisher grössten Hit «Take Me to Church» sehr konkret die katholische Kirche an den Pranger gestellt. Ist es nicht genau diese Art Protest, die etwas bewegen kann?
Ja, das stimmt. Und mir geht es beim Musikmachen ja auch um das Erbe der Folkmusik. Denken Sie an Künstler wie Bob Dylan oder Woody Guthrie, Pete Seeger, Patti Smith – sie alle machten Musik, weil sie keine andere Wahl hatten. ­So ein Song ist wie ein Guckloch in die Geschichte. Es macht einem auch bewusst, wie begrenzt unsere Zeit auf Erden ist. Wir sollten sie nutzen.

Was lässt Ihnen denn keine Wahl?
Ich glaube, vieles lässt sich auf institutionalisierte Macht herunterbrechen. Sei es die Kirche, die Wirtschaft – wenn Machthaber sich verantwortungslos verhalten, müssen wir als Gesellschaft den Scherbenhaufen wegräumen.

Gibt es Themen, die Sie persönlich mehr betreffen als andere?
Ich denke nicht, dass ein Thema mich mehr oder weniger berührt als andere. Die Gemeinschaft ist mir wichtig. Wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen, wie sie uns beeinflusst, wie sie unsere Beziehungen beeinflusst, jene zu uns selber und die zu anderen Menschen; das sind die Dinge, die mich wirklich interessieren.

Glauben Sie, dass Sie als Musiker politisch etwas bewirken können?
Lassen Sie es mich so sagen: Ich werde oft gefragt, ob ich glaube, dass Musik die Welt retten kann. Wenn ich mir die Top 10 oder 20 der Charts ansehe, habe ich keine Hoffnung. Diese extreme Ichbezogenheit in der aktuellen Pop­musik löst bei mir nichts aus. Sie langweilt mich ­einfach.

Es gibt durchaus Leute, die Ihre Musik als Popmusik bezeichnen. Liegen sie falsch?
Mir ist bewusst, dass es auch auf «Wasteland, Baby!» leichte Momente gibt, ich gehe schliesslich auch hin und wieder in den Ausgang. Aber ich glaube, dass gerade ein Song wie «Waste­land, Baby!» durchaus reflektiert, was um uns herum passiert, und auch mögliche Lösungen vorschlägt.

Mo 26.8. — 20 Uhr
Volkshaus
Stauffacherstr. 60
Eintritt 70 / 90 Franken
www.volkshaus.ch

Erstellt: 21.08.2019, 18:06 Uhr

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