Raus aus der Komfortzone

Das Bernzürcher Kollektiv und Musikbüro Blaublau organisiert Events fern von Star-Attitüden und Egoismus.

Sorgen für Spektakel: Göldin & Bit-Tuner.

Sorgen für Spektakel: Göldin & Bit-Tuner.

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Eigensinnige Musik für eigensinnige Menschen: Blaublau tanzt aus der Reihe. Der Bernzürcher Verein zieht seit 2014 eine Vielzahl unkonventioneller Musikveranstaltungen durch, oftmals mit interdisziplinärem Charakter. 2015 kam ein Musikbüro hinzu – Blaublau Records –, gegründet von den Blaublau-Mitgliedern Mirko Schwab und David Jegerlehner, beide Musiker, sowie der Grafikerin Martina Meier (Bureau Mia).

2018 hat sich die Truppe ausserdem mit dem Musik- und Performancefestival Perlaton zum Kollektiv zusammengetan. Der Antrieb hinter den vielseitigen Engagements ist ebenso eigensinnig wie eingangs impliziert. «Die Clublandschaft hat den Geist der Gegenkultur verloren», erklärt Jegerlehner und fährt fort: «Dies muss sich ändern – das junge Publikum will Haltung.»

Haben im Mai ein Album Veröffentlicht: Kenel\Sonne auf BlauBlau Records. Video: YouTube/ BlauBlau Records

Dementsprechend folgen die Blaublau-Anlässe jenem Gedankengut. Im Rahmen der sogenannten Blaublau-Records-Take-overs werden Orte der Städte Zürich sowie Bern bespielt. Dabei setzt sich das Kollektiv intensiv mit den Örtlichkeiten auseinander. An der Langstrasse wurde 2018 beispielsweise ein 24-Stunden-Shop in der Kir Royal Bar eröffnet, wo Konzerte und Kunstperformances stattfanden. Die während des Sommers stattgefundene Reihe «St. Tropez» im Helsinki wiederum behandelte die Gentrifizierung des Kreises 5, inklusive augenzwinkernder Hipster-meets-Protz-Promotion.

So wurde das zwischengenutzte Lokal unter anderem als «die High-End-Location für Productivity, Creativity und Benutzertests» beworben. Während eines Abends konnte man sich dann an eine per Losverfahren gewählte Person anketten lassen, und in einem Glaskasten vor dem Veranstaltungsraum gab es eine Performance zu erleben. «Wenn sich dann Menschen über die Entwicklung vom Helsinki empören oder aber Krawattenträger mit Visitenkarte an der Kasse stehen, entsteht Reibung, und durch Reibung entsteht Inhalt», erklärt Jegerlehner das Konzept.

Für die kommende Übernahme stellt das Moods nun seine Räumlichkeiten zur Verfügung. Anlässlich des Blaublau-Records-Take-overs ­präsentiert das Bernzürcher Musikbüro dort eine Auswahl seines Rosters – laut Jegerlehner «experimentelle Musik mit einem Fuss in der Popmusik».

Überspitzt könnte nun gefragt werden, ob ein Blaublau-Anlass denn im vergleichsweise glamourösen Jazzclub funktionieren kann. Jegerlehner: «Wir verlassen gerne auch mal unsere Komfortzone. Ob der Abend im Moods funktioniert, wissen wir noch nicht, aber beide Seiten sind sehr motiviert, das Experiment zu wagen.» Geld und Erfolg spielen dabei übrigens keine Rolle – im Zentrum stehen Freude sowie Zusammenhalt. Oder in den Worten von Blaublau Records, zu finden auf der Website: «Wir arbeiten für unsere Schwestern und Brüder und nicht für die Industrie.»

Di 8.10. — 20:30 Uhr
Moods
Schiffbauplatz
Eintritt 25 Franken
www.moods.club

Erstellt: 03.10.2019, 10:56 Uhr

Infobox

Simon Berz, 20:30 Uhr
Simon Berz als Schlagzeuger zu bezeichnen, wäre zu einfach. Die Klanginstallationen und -experimente des gebürtigen Aargauers finden weltweit Anklang und stehen oft im Zeichen der improvisierten Musik.

Kenel\ Sonne, 21:30 Uhr
Drone und Noise bilden das Experimentierfeld des Quartetts um Markus Kennel und Nicolas Balmer. Ihre Stücke setzen sich ­dabei aus Klängen zusammen, welche die beiden Musiker während Feldstudien in ihren jeweiligen Heimatstädten aufgenommen haben.

Eko Nori, 23 Uhr
Spielt Multiinstrumentalistin Catia Lanfranchi solo, ist sie Eko Nori – Sounds ­zwischen Orgel und Synthie, getragen durch eine einzigartige Stimme. Ebenfalls ­auschecken: Ihre Band Kush-K, die im März 2020 das Debüt auf Blaublau Records ­herausbringen wird.

Göldin & Bit-Tuner, 24 Uhr
Wenn Journalist Daniel Ryser und Electro-Pionier Marcel Gschwend aufeinander­treffen, ist Spektakel – oder besser: Drama-Rap – vorprogrammiert. Oder in den Worten der beiden Ostschweizer: «Politisch überblendeter Emo-Pop für eine digital verzerrte Generation, die erwachsen werden muss.»

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