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Streit mit Plattenlabels, viele Probleme und Soloprojekte: Wilco um Jeff Tweedy hat eine bewegte Geschichte.

Stehen zu sechst auf der Bühne: Jeff Tweedy (Mitte) behält bei Wilco den Durchblick.

Stehen zu sechst auf der Bühne: Jeff Tweedy (Mitte) behält bei Wilco den Durchblick.

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Sorry, zu wenig Hits. Mit dieser Begründung lehnte das Plattenlabel das vierte Album von Wilco ab. Es war experimenteller als seine rockigen und sehr erfolgreichen Vorgänger. Doch die amerikanische Band wollte die Aufnahmen unbedingt veröffentlicht. Für 50 000 Dollar kauften die Musiker deshalb die Songrechte zurück und luden «Yankee Hotel Foxtrot» auf ihrer Internetseite hoch.

Dort wurden die Songs fleissig gestreamt. Weil sie den Fans doch gefielen. Und weil die Indie-Band-gegen-Plattenlabel-Geschichte einfach zu gut war. Als Wilco schliesslich in ihrer Heimatstadt Chicago spielten, erschienen 40 000 Leute. Danach unterschrieben die Musiker einen neuen Vertrag. 2002 erschien «Yankee Hotel Foxtrot» offiziell.

Alles bestens? Nein. Wilco ist eine Band mit bewegter Geschichte. Geprägt von Erfolg, aber auch von internen Unstimmigkeiten, persönlichen Problemen und Soloprojekten. Besonders bei Frontmann Jeff Tweedy liegen die guten und schlechten Zeiten nah beieinander. 2004 lässt er sich beispielsweise in eine Klinik einweisen, um von seiner Medikamentensucht loszukommen. Und gewinnt im gleichen Jahr mit Wilco einen Grammy für das fünfte Album «A Ghost Is Born».

Was dahinter steckt: Line Notes zu «Yankee Hotel Foxtrot» von Wilco. Video: YouTube/Pitchfork

Bei der Verleihung tourte die Band gerade durch die Staaten. «Wir kriegten die Nachricht, sprachen einen Toast aus und spielten dann die Show», schrieb Tweedy in seiner Autobiografie «Let’s Go (So We Can Get Back)» (2018). Darin erzählt er auch, wie er sich als 8-Jähriger Alben von The Clash und The Ramones gekauft hatte. Wie er das Gitarrenspielen lernte und 1994 Wilco gründete. Nur eine Woche nachdem er seine erste Band Uncle Tupelo aufgelöst hatte.

Tweedy schildert seine Jahrzehnte im Musikbusiness ehrlich. Auch in Interviews beschönigt er nichts. So bezeichnet er vereinzelte Wilco-Songs auch mal als Hundescheisse. Auf das kommende Album «Ode to Joy» sei er aber stolz, so Tweedy. Auch wenn die reduzierten, rockfolkigen Songs an jene aus Wilcos Anfangszeiten erinnern.

Mi 18.9. — 20 Uhr
Volkshaus
Stauffacherstr. 60
Eintritt 70–95 Franken
www.volkshaus.ch

Erstellt: 12.09.2019, 12:45 Uhr

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