Sind sie Machos oder Melancholiker?

Alex Cameron und Charlie Cunningham – zwei Solo-Musiker – kommen mit neuen Alben ins Mascotte. Was taugen sie?

Präsentiert sein drittes Album: Alex Cameron im Anzug.

Präsentiert sein drittes Album: Alex Cameron im Anzug.

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Alex Cameron

Sein drittes Album «Miami Memory» (2019) hat Alex Cameron seiner Freundin gewidmet: Seit 2017 ist der australische Singer-Songwriter mit der britischen Schauspielerin Jemima ­Kirke («Girls») zusammen. So singt er in «Stepdad» über die Beziehung zu Kirkes zwei Kindern. Doch auch das Sexleben hat Cameron inspiriert. Einige finden es machohaft, wenn ein Mann so explizit über die Orgasmen seiner Geliebten singt. Andere halten es für erfrischend unverkrampft. Und Cameron selbst für sehr feministisch.

Von seinem Album Secretly Canadian: «Miami Memory» von Alex Cameron. Video: YouTube/MYSHOWBACKTV

Denn der Musiker hat nach der #MeToo-Affäre ralisiert, wie privilegiert er als weisser Mann ist. Diese Erkenntnis wollte er auch unbedingt in ­seinen neuen Longplayer einfliessen, der ­seinem ­Namen zum Trotz hauptsächlich in New York entstanden ist. Ein feministisches Statement ist ­«Miami Memory» aber nicht. Dafür sind die Lyrics zu flach. Ein Hör­genuss ist die Platte trotzdem: Die Retro-Pop-Melodien und Alex Camerons verkaterte Stimme sind sehr eingängig.

Permanent Way

singer-songwriter Das Debütalbum «Lines» (2017) von Charlie Cunningham war gut, aber austauschbar: ein Mann, eine Gitarre. Viele von Cunninghams Musikerkollegen setzen auf diesen reduzierten Neo-Folk, der oft nach einigen Songs etwas langweilt. So auch bei Cunningham, selbst wenn dieser ein besonders be­gabter Gitarrenspieler ist. Der Engländer hat gar einige Zeit in Sevilla Flamenco gelernt.

Der Song «Permanent Way»: Live gespielt von Charlie Cunningham. Video: YouTube/Charlie Cunningham

Doch mit seinem zweiten Album «Permanent Way» (2019) schafft es Charlie Cunningham, sich von seinen etwas öden Folk-Gspäändli abzusetzen. Die Lieder auf sind elektronischer, komplexer – und poppiger. Einige wie der Titeltrack «Permanent Way» erinnern – auch von der Stimmfarbe her – an Bon Iver. In Interviews betont Cunningham, dass er mit Ausnahme seiner Auftritte ein zurückgezogener Mensch sei. Seine Songs seien deswegen nur teilweise autobiografisch. Doch die besungenen Themen sind jene, die schlussendlich alle Menschen beschäftigen: Liebe, Schmerz und Hoffnung.

Mascotte
Theaterstr. 10
www.mascotte.ch

Alex cameron
Mo 7.10., 19.30 Uhr, Eintritt 37 Franken

Charlie Cunningham
Mi 9.10., 19.30 Uhr
Das Konzert ist bereits ausverkauft.
Charlie Cunningham spielt jedoch am
Di 10.3.2020 im Salzhaus Winterthur

Erstellt: 03.10.2019, 11:22 Uhr

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