Alternative zum Mainstream-Hip-Hop

Die Amerikanerin Noname pflegt unaufgeregten, reflektierten Rap.

Sie ist Rapperin und kommt aus Chicago.

Sie ist Rapperin und kommt aus Chicago.

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Rap ist überall, Rap ist – mal abgesehen von einigen Radiostationen, die den Puls der Zeit ignorieren – auf allen Kanälen vorherrschend. Achtjährige Kinder kennen heute Lil Pump, hören Future, wissen, wer Tekashi 69 ist, und hören Offset auf dem Weg zur Schule. Nur haben sie es wenige Monate später wieder vergessen.

Denn so sehr Rap 2019 ein Massenphänomen ist, so sehr hat er auch Strohfeuer-Charakter. Es geht vielfach nur noch um melodische Silben, um Gemurmel, um das eine coole Wort, um Attitüde.

Video zum «Song 32» von Noname. Video: YouTube/Noname

Die junge Generation von Rappern verpasst vor lauter Ungestüm und rebellischer Energie, ihren Songs mehr Inhalt als bloss einen Slogan mitzugeben. Das Wie ist wichtiger geworden als das Was. Was früher ein Song oder zumindest ein Reim war, ist heute eine einzige Zeile.

Die Musik von Fatimah Nyeemah Warner aus Chicago stellt den grössten Kontrast zum Mainstream-Rap dar. Die Musik der Rapperin mit dem Künstlernamen Noname klingt altbekannt und wohlig harmonisch. Sie dockt bei den Grössen des entspannt verzögerten Grooves an, huldigt etwa D’Angelo, J Dilla, Erykah Badu, hat Bahamadia sowie Common gehört und macht dabei ihre dezidierte Unaufgeregtheit zum Spektakel.

Mit ihren Langspielern «Telefone» (2016) und «Room 25» (2018) hat Noname eigentliche introspektive Erzählbände vorgelegt. Darauf beschäftigt sie sich mit dem Tod und der Aufarbeitung von zerbrochenen Liebesbeziehungen. Sie hält sich höchstens mal in einem Nebensatz mit dem auf, was Rapper sonst so machen.

Nämlich die Konkurrenz abfertigen oder irgendwelche persönlichen Errungenschaften auflisten. Ihr primäres Geschlechtsteil habe gerade ein Thesenpapier über Kolonialismus verfasst, lautet einer dieser Nebensätze sinngemäss – und natürlich trägt sie ihn so gelassen vor, als würde sie einen tief hängenden Apfel pflücken.

Fr 19.4. — 20 Uhr
Exil
Hardstr. 245
Eintritt 36 Franken
www.exil.cl

(Züritipp)

Erstellt: 17.04.2019, 16:06 Uhr

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