Zum Hauptinhalt springen

Gewagter Abschied

32 Jahre sind genug: Festivalgründer Fredi Bosshard lädt zu seiner letzten Taktlos-Ausgabe. Und stellt eine Fortsetzung des Festivals in Aussicht.

Repräsentieren das kosmopolitische Amsterdam: Kaja Draksler und ihre Grossformation.
Repräsentieren das kosmopolitische Amsterdam: Kaja Draksler und ihre Grossformation.

Im tumultösen Kreativschub der 80er-Bewegung ist das Taktlos entstanden. Seither wuchs es zu einem der wichtigsten Festivals für freie und improvisierte Musik in Europa an. Verantwortlich dafür ist Fredi Bosshard, Mitveranstalter auch der Konzertreihe Fabrikjazz und langjähriger Redaktor der WOZ. Seit 1984 holt er «waghalsige Musik zwischen den Genres und abseits des Mainstreams» nach Zürich. Die 34. Taktlos-Ausgabe ist seine letzte. «34 taktlose Jahre in 68 Lebensjahren genügen», sagt Bosshard.

Bei der Programmierung der letzten zehn von weit über 300 Taktlos-Konzerten habe er sich vorgenommen, «nicht nostalgisch zu werden». Sein einfacher Trick, dem er stets gefolgt ist: nicht auf vorhersehbare Musik setzen. «Also konzentrierte ich mich auf junge Bands», sagt er. «Zudem auch auf neue Projekte von Frauen, die ich als Sidewomen erlebt habe.» Und da die freie Szene in Skandinavien derzeit heftig am Brodeln ist, präsentiert Bosshard Bands der Saxofonistinnen Julie Kjær und Anna Högberg, von der Pianistin Lisa Ullén und der Gitarristin Hedvig Mollestad Thomassen. Am Taktlos gab es zudem stets Grossformationen zu hören – dieses Jahr ist dies das Oktett von Kaja Draksler. «Es widerspiegelt», so Bosshard, «das kosmopolitische Amsterdam, wo Musikerinnen aus aller Welt eine neue Heimat gefunden haben.»

Mit grosser Vorfreude erwartet Bosshard auch das Nonett des Zürcher Posaunisten Michael Flury, mit dem er der sich stetig verändernden Musiklandschaft Rechnung tragen will. Für sein Projekt «Die Nachgeborenen» habe sich Flury mit vollem Enthusiasmus ins Zeug gelegt und Musiker aus unterschiedlichen Szenen zusammengebracht.

Nicht offiziell, aber mit stillem Genuss macht sich der scheidende Festivalchef ein Abschiedsgeschenk. «Ein stilles Konzert meines Lieblingsgitarristen Marc Ribot ganz zum Schluss.»

Das Taktlos-Festival übrigens wird weiterleben. Ein Verein aus jungen Veranstaltenden übernimmt per 2018 – mit neuem Konzept. Details will Fredi Bosshard erst am letzten Festivalabend verraten. Seinen Nachfolgern gibt er mit auf den Weg: «Risiken eingehen und sich ungehemmt im musikalischen Kosmos rumtreiben.» Vom Verein ist zu vernehmen, dass man an Bosshards Devise der «waghalsigen Musik zwischen den Genres» festhalten wolle.

Do 4.5. bis So 7.5., Rote Fabrik.www.taktlos.com

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch