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Was läuft hier alles?

25 nationale und internationale junge Bands spielen an der Erstausgabe des Radar Festivals. So auch das Zürcher Duo Ikan Hyu.

Die Musik von Ikan Hyu ist alles andere als langweilig.
Die Musik von Ikan Hyu ist alles andere als langweilig.

Fast fünf Minuten lang dreschen die zwei Frauen auf die verschiedensten Genres ein. Rap, Electro und Rock vermischen sich zu dem harmonischen, kraftvollen Song «Plastic for Free». Als «alles auf einmal» beschreibt Anisa Djojoatmodjo die Musik. Vor knapp zwei Jahren gründete sie mit Hannah Bissegger in Zürich die Band Ikan Hyu. «Live zu spielen, ist unser Ding», sagt Bissegger. In Strassenkleidern auf die Bühne, ist Ikan Hyu zu öde. Die beiden schminken sich, verkleiden sich – ziehen beispielsweise silberne Anzüge an. «Wir wollten nie ruhiges Akustik-Duo mit schönem Gesang sein», sagt Djojoatmodjo.

Die zwei Musikerinnen gehen immer wieder an die Grenzen. Auch technisch. «Am Anfang sind wir oft gescheitert», so Bissegger. «Denn wir hatten nur Gitarre, Schlagzeug und Gesang. Der Bass fehlte.» Das Duo experimentierte am Laptop. «Doch das klang nicht gut. Wir sind fast verzweifelt.» Schliesslich schaffte sich Ikan Hyu einen analogen Moog-Bass an. «Hannah bedient ihn per Hand, ich mit den Füssen», so Djojoatmodjo. Wieso haben die Frauen nicht einfach Begleitmusiker engagiert? «Wir wollten herausfinden, ob und wie wir es zu zweit schaffen», sagt Djojoatmodjo. Sie hat gemeinsam mit Bissegger Musik an der Zürcher Hochschule der Künste studiert.

Ikan Hyu war einer von drei weiblichen Acts, die Anfang Februar an der Premiere von «SMA Presents» auftraten. An der Veranstaltung der Swiss Music Awards wurde die Frage «Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem?» diskutiert. Ihr Auftritt sei aber kein politisches Statement gewesen, sagen Djojoatmodjo und Bissegger. «Wir unterstützen aber natürlich, dass Frauen Musik machen, und möchten auch zeigen, dass das auch normal ist», so Bissegger. Haben ihnen denn weibliche Vorbilder gefehlt? Nein, ihnen beiden sei es egal gewesen, ob ein Mann oder eine Frau spielte. «Aber natürlich funktionieren die Menschen unterschiedlich», so Djojoatmodjo. Sie hatte auch nie ein Problem, als Gitarristin in sonst reinen Männerbands ­zu spielen. Auch für Bissegger war das nie eine ­Her­ausforderung: «Wir haben es uns nicht unnötig schwer gemacht.»

Das Duo findet die Diskussion jedoch wichtig. «Es ist nämlich schon schräg, dass es so wenig ­Musikerinnen gibt», sagt Bissegger. Eine Frauenquote bei Preisverleihungen lehnen sie aber klar ab. «Man muss Frauen zu einem früheren Zeitpunkt eine Plattform bieten, sodass automatisch mehr Frauen nominiert und diese auch nicht als Quotenfrauen abgestempelt werden», so Anisa Djojoatmodjo.

Anfang Jahr zog sich das Duo nach Berlin zurück. Arbeitete dort ungestört an alten Songs, schrieb neue und ging ins Studio. Was mit dem aufgenommenen Material passiert, ist noch nicht klar. Die Band will sich nicht unter Druck setzen lassen. «Wir wollen erst etwas veröffentlichen, wenn es für uns perfekt ist», so Bissegger. Anders als einen Song auf Soundcloud könne man eine EP nämlich nicht löschen.

Sa, 21.45 Uhr Sender Kurzgasse 4 www.radarfestival.ch Eintritt 40 Franken

Das Festival findet ab 17 Uhr an folgenden Orten statt: Kosmos (Festivalzentrum), Amboss Rampe, Gonzo, Bar Rossi, Zukunft, Perle, Sender und Longstreet.

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