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«Wir machen ohne Regeln Musik»

Das brasilianische Instrumentaltrio hat den endlosen Groove gepachtet. Ein Dialog mit Schlagzeuger Ivan «Mamão» Conti.

Herr Conti, alle nennen Sie nur «Mamão», was so viel wie Papaya bedeutet. Wieso eigentlich?

Keine Ahnung. Es ist einfach ein Spitzname, so wie Victor Manga oder Milton Banana.

Sie müssen es wissen: Wie entsteht ein guter Groove?

Indem man Musik macht, ohne sich Regeln aufzuerlegen. Dann würzt man noch so lange mit Swing und Harmonie nach, bis alles auf den Punkt gebracht ist.

In der Musik Ihrer Band Azymutsteckt Jazz, Funk und Samba. Wie kam die Mischung zustande?

Meine Schule waren Samba, Jazz und Rock. In den 60ern spielte ich in einer Rockband namens Youngsters. Der Funk war der Zeitgeist der 70er und vermischte sich in Brasilien mit verschiedenen Stilen. Diese Mischung nimmt unsere Musik auf. Aber die Basis bildet der Samba.

Wie lange hat es eigentlich gedauert, bis Sie Ihren «Samba Doido» entwickelt hatten?

Samba Doido – also «verrückten Samba» – haben die Kritiker in den USA unseren Beat genannt. Dabei ist das nichts anderes als respektvolle Polyrhythmik. Entwickelt hat sich das mit der Zeit, durchs Üben, durchs stetige Zusammenspiel. Mittlerweile ohne unseren Bertrami.

Bandleader Jose Roberto Bertrami, Komponist Ihrer grössten Klassiker, starb 2012. Welche Rolle spielte eigentlich ein anderer grosser Musiker, Marcos Valle, in der Geschichte der Band?

Marcos ist ein alter Freund, eine alte Studiobekanntschaft. Wir haben in jungen Jahren zusammen Musik gemacht – unter anderem den Soundtrack «O Fabuloso Fittipaldi». Durch den darauf enthaltenen Song «Azimuth» sind wir zu unserem Bandnamen gekommen.

Die Stücke von Azymuth sind oft nach Orten benannt. Auf der letzten Veröffentlichung – einer Sammlung von alten Demos – findet sich etwa das Stück «Laranjeiras» – ein Stadtteil von Rio. Was hat es damit auf sich?

Ganz einfach: Bertrami hat dort gewohnt, und wir haben in der Nähe geprobt. Normalerweise beziehen sich unsere Lieder schlicht und einfach auf Erlebtes. Ich gehe zum Beispiel viel im Wald spazieren. Viele Titel sind von diesen Spaziergängen inspiriert.

Die Stücke sind mehrheitlich instrumental. Wenn Sie aussuchen könnten: Wer sollte singen?

Niemand. Instrumentale Musik ist unsere Stärke. Wenn aber Elizeth Cardoso oder Elis ­Regina noch leben würden, könnte man sich das mal überlegen.

Ihre Musik ist etliche Male gesampelt worden. Wie oft lehnen Sie solche Anfragen ab?

Nie! Ich hoffe natürlich auch, dass uns das ein bisschen Geld einbringt, aber vor allem mag ich diesen Austausch, und ich mag Hip-Hop.

Do 31.10. — 19:30 Uhr ZKB Club Gessnerallee 9 Eintritt 60 Frankenwww.jazznojazz.ch

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