«Wir stecken Weihnachtslieder in ein tanzbares Dub-Gewand»

Auf dem zehnten Album zeigt sich die Luzerner Band Dub Spencer & Trance Hill besinnlich: Drummer Julian Dillier über «Stille Nacht», Engels-Melodien und Kinder.

Sie spielen mit Weihnachten: Julian Dillier (r.) und seine Bandkollegen.

Sie spielen mit Weihnachten: Julian Dillier (r.) und seine Bandkollegen.

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Was ist eigentlich Dub?
Dub ist eine Stilart des Reggae, die ursprünglich am Mischpult geschaffen wurde: Produzenten bedienen sich bereits eingespielter Live-Spuren und orchestrieren diese neu, meist mit Echo- und Hall-Effekten.

Dub Spencer & Trance Hill ist aber eine vierköpfige Band.
Wir versuchen, diese Ästhetik live mit unseren Instrumenten zu erzeugen, wobei uns unser Münchner Tontechniker Umberto Echo unterstützt, indem er vom Mischpult aus dem Sound eine zusätzliche Dimension verleiht. Hierbei bleiben wir der Ur-Absicht des Stils treu. Dub ist Tanzmusik: Der Groove ist das Zentrum, der Bass das Herz.

«Wir haben die Engels-Melodien nach unten in die Bassstimme versetzt.»Julian Dillier, Drummer

Jetzt taufen Sie im Moods ein Weihnachtsalbum – darauf sind Songs wie «Stille Nacht» und «Jingle Bells». Wieso?
Uns reizte die Idee, Weihnachtslieder in ein tanzbares Dub-Gewand zu stecken. So haben wir für jedes Stück ein Konzept entwickelt und eine eigene Bearbeitung eingespielt: Aus Dur mach Moll, Melodien wurden rhythmisch zerstückelt, die Engels-Melodien nach unten in die Bassstimme versetzt. Erstaunlich, wie sich gerade Letztere zum Tanzen und Trancen eignen, wenn sie in Repetition gespielt werden.

Welchen Platz nimmt die Platte in der Dub-Spencer-&-Trance-Hill-Historie ein? Ist sie ein Special oder ein eigenständiges Album?
«Christmas in Dub» ist ein vollwertiges, eigenständiges Dub-Spencer-&-Trance-Hill-Album – gar wage ich zu behaupten, dass sie sich unter den Top drei unserer bisherigen Veröffentlichungen befindet.

So klingt «Jingle Bells» 2018: «Jingle Bells Dub». Video: YouTube/dubspencer96

Sie läuft also auch bei Ihnen an Heiligabend?
Natürlich. Die Kinder lieben es.

Das Album ist nicht bloss ein plumper Marketingtrick zu Weihnachten?
Nein, das finden wir nicht. Marketing und Dub sind zwei Wörter, die sich so schwer vertragen wie Weihnachten und Dub oder Spotify und Geldverdienen. Wir wurden weder genötigt noch beauftragt, dieses Album zu machen, sondern hatten einfach Lust auf diese witzige Idee. Unseres Wissens ist das zudem eine Weltneuheit: eine reine Christ­mas-Platte einer Dub-Band, die auch im Sommer passt.

Sa — 20.30 Uhr
Moods
Schiffbaustr. 6
Eintritt 36 Franken
www.moods.club

(Züritipp)

Erstellt: 08.12.2018, 08:45 Uhr

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