«Wissentlich einen Hit zu schreiben, halte ich für schwer möglich»

2019 feiern die Fantastischen Vier mit einer Tournee ihr 30-jähriges Bestehen. Rapper Smudo über die Neunziger, gute Konzerte und Nervenkitzel.

Die Fantastischen Vier leben nicht in der Vergangenheit: Smudo (l.) und seine Bandkollegen

Die Fantastischen Vier leben nicht in der Vergangenheit: Smudo (l.) und seine Bandkollegen

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Smudo, Sie sind seit über dreissig Jahren Rapper. Was macht für Sie einen guten Rapvers im Jahr 2019 aus? Immer noch das Gleiche wie 1989?
Rhythmus und Flow müssen damals wie heute stimmen, allerdings sind es heute wesentlich mehr Informationen und höhere Fliess­geschwindigkeit. Ein Meister dieses Faches ist für mich der Kollege Dendemann, dessen neues Album ich mit Spannung erwarte.

Für das aktuelle Fanta-Album «Captain Fantastic» haben Sie sich Hilfe geholt und eine Art Texter-Thinktank gegründet. Worüber wurde da so nachgedacht?
Die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Co-Textern war breit gefächert. Da ging es mal um einfaches Coaching – also Kritik zu bereits erstellten Texten –, mal um grobe Themenideen, mal um ganz konkret geschriebene Texte, die dann von uns modifiziert wurden.

Nur einer ihrer vielen Hits: «Mit freundlichen Grüssen». YouTube/Die Fantastischen Vier

War es eigentlich schwer, die richtigen Leute dafür zu finden?
Das war ein langsam wachsender Prozess. Analog zu Schauspielern, die sich auch mit Coaching für ihre Rollen vorbereiten, haben wir immer wieder Kontakt zu Kollegen gepflegt. Früher geschah das eher zufällig wie zum Beispiel bei Max Herre, der, als wir 1999 an «Mit freund­lichen Grüssen» geschrieben haben, spontan reingeschaut und uns beim Refrain geholfen hat. Oder Samy Deluxe, den wir mal zu Thomas in die Eiffel eingeladen haben. Für «Captain Fantastic» haben wir das professionalisiert und eine richtige Autorentruppe zusammengestellt.

«Hits zu schreiben, ist, wie blind Dutzende von Pfeilen auf eine Scheibe zu schmeissen und hinterher zu gucken, welcher ganz gut in der Mitte liegt.»Smudo

Mit «Zusammen» findet sich darauf auch diesmal ein veritabler Hit. Wie schaffen Sie das immer?
Wenn ich wüsste, wie das geht, würde ich es noch öfter machen. Hits zu schreiben, ist, wie blind Dutzende von Pfeilen auf eine Scheibe zu schmeissen und hinterher zu gucken, welcher ganz gut in der Mitte liegt. Und diese zufällige Idee wird dann poliert und chic gemacht. Aber wissentlich einen Hit zu schreiben, halte ich für schwer möglich.

Gibt es aus Ihrer Sicht irgendwas aus den Neunzigern, das man vermissen sollte?
Ich bin kein Kulturpessimist. Natürlich wünsche ich mir meine unbedarfte Jugend zurück, aber die Gegenwart gefällt mir nach wie vor am besten.

«Ein Konzert ist wie ein Marathon.»Smudo

Gute Rapkonzerte sind noch immer extrem rar. Wieso eigentlich?
Gute Konzerte sind allgemein selten. Aber es stimmt: Hip-Hop war immer schon schwer auf die Bühne zu bringen. Es reicht nicht, sich auf «coolen» Songs und Halbplaybacks auszuruhen. Gute, alte Unterhaltungsmechanismen sind live gefragt. Warum es hier Defizite gibt, vermag ich nicht zu erraten.

Neuer Song mit Hitpotenzial: «Zusammen». Video: YouTube/Die Fantastischen Vier

Sie lieben die Fliegerei, schnelle Autos, den Nervenkitzel. Ist das Gefühl, vor Tausenden von Menschen zu spielen, damit vergleichbar?
Adrenalin ist toll. Ein Konzert ist aber nicht vergleichbar mit der Spannung kurz vor einem Rennstart oder dem Hellwachsein bei einem Flugzeugstart. Ein Konzert ist wie ein Marathon. Da geht es darum, die Kraft über die ­Distanz zu bringen und sich gemeinsam mit dem Publikum zu einem glücklich-erschöpften Konzert-Happy-End hinzuarbeiten.

So 6.1. — 18.30 Uhr
Hallenstadion
Eintritt 79–164 Franken
www.hallenstadion.ch

Erstellt: 06.01.2019, 07:22 Uhr

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