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Zelebrierter Gangsta-Rap wie damals

Der Rapper Freddie Gibbs ist laut eigenen Aussagen der unterschätzteste sowie vielseitigste MC unserer Zeit.

Trainerjacke, Blingbling und Anklagen: Er ist ein wahrer Gangster.
Trainerjacke, Blingbling und Anklagen: Er ist ein wahrer Gangster.

Freddie Gibbs könnte eigentlich als Relikt bezeichnet werden: Der 37-Jährige zelebriert nämlich den Gangsta-Rap wie zu seinen besten Zeiten in den 90ern; ein ordentlicher Kontrast zu den heutigen Rappern, die wie zugekleisterte Plakatsäulen aussehen oder den Pulitzer-Preis gewinnen. Dabei geht Gibbs musikalisch äusserst geschickt vor und erzählt die Strassenstorys mit modernem Twist. Behilflich sind dem US-Amerikaner dabei ein gigantisches, aber durchaus berechtigtes Selbstbewusstsein und enormes Können.

Weniger hilfreich, aber immerhin der Authentizität dienlich ist hingegen seine Biografie. Der Rapper wuchs als Frederick Jamel Tipton in der Stadt Gary auf, die durch den Niedergang der Stahlindustrie weitgehend in die Arbeitslosigkeit und Kriminalität gerutscht ist. Bis Anfang des neuen Millenniums folgte auch Gibbs der klassischen Karriere seines Umfelds: Drogen, unerlaubter Schusswaffenbesitz, Gewalt, Schulabbruch, Gefängnis.

Nach dem Tod des Crack-abhängigen Onkels gerieten aber verstärkt die Hip-Hop-Ikonen des Gangsta-Rap – beispielsweise 2Pac oder Scarface – in Gibbs’ Fokus und boten Ablenkung sowie neue Perspektiven. Dabei zeigte er Talent und ist neben eindrücklichen Rap-Skills mit einer tiefen Soulstimme gesegnet. Die Musik geriet folglich zum immer wichtigeren Nebenjob und bot zugleich die Möglichkeit, die Ghetto-Geschichten äusserst kritisch zu verarbeiten. Veröffentlicht als Gratis-Downloads, avancierten sie zum Internet-Hype und wurden bald darauf auch von den grossen Zeitungen gefeiert.

Doch Freddie Gibbs’ Karriere ging trotzdem nie wirklich ab; interne Querelen, das Damoklesschwert der Kriminalität oder ungeschickte Planung verhinderten lange den Durchbruch auf den grossen Bühnen. Erst die Zusammenarbeit mit Megaproduzent Madlib und damit verbunden die Alben «Piñata» (2014) sowie «Bandana» (2019) hoben den Rapper aufs Weltparkett.

Doch ist der Gangsta in ihm längst nicht passé: Vergangenes Jahr wurde Gibbs in Österreich der Vergewaltigung zweier Frauen beschuldigt, sass mehrere Wochen in Untersuchungshaft, kam dann aber mangels Beweisen frei. Er selbst bestreitet die Vorwürfe mehr als nur verärgert und verwies darauf, als Mitglied der Vice-Lords-Gang nichts mit Vergewaltigungen am Hut zu haben – das entspreche nicht dem Ehrenkodex. Wie viel Wahrheit darin steckt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass Freddie Gibbs eine Art lebenden Anachronismus darstellt, der mit Talent gesegnet und mit Torheit gestraft ist.

Mo 4.11. — 19:30 Uhr Plaza Badenerstr. 109 Eintritt 40 Frankenwww.plaza-zurich.ch

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