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Essen im RubinaZum Schluss ein kleiner Zuckerüberschuss

Unser Besuch im gutbürgerlichen Restaurant nahm vorweg, was man diesen Sommer vermehrt machen soll: Ferien im eigenen Land. Es war bezaubernd.

Wie in der guten Stube: Das Restaurant Rubina im Universitätsviertel.
Wie in der guten Stube: Das Restaurant Rubina im Universitätsviertel.
Foto: Sabina Bobst

Besitzerin Désirée Eggli empfängt persönlich, als wir zu dritt das Restaurant Rubina im verlassenen Universitätsquartier betreten. Etwas separiert setzen wir uns an einen runden Tisch beim Fenster. Eggli hält höflich Abstand und heisst uns noch einmal willkommen. Sie tut es herzlich, als wären wir nach langer Abwesenheit zurückgekehrt. Wir fühlen uns im hell gestrichenen, holzgetäferten Raum wie in einer guten Stube.

Wie das heimische Wohnzimmer trägt auch das Restaurant Rubina eine Familiengeschichte mit sich: Rubin ist der Familienname von Egglis Mutter, Rubin der Familienedelstein, rubinrot darum die Fassade. Im April wollte das Rubina sein 10-jähriges Jubiläum feiern – dann drängte sich der Lockdown vor.

Dreimal ein entschiedenes Ja

An diesem ersten Samstagabend seit den Lockerungen verspricht die liebliche Frühlingsstimmung viele Möglichkeiten und ein sanftes Kitzeln. Ob wir den Crémant probieren möchten, einen Pinot Noir der Zürcher Jungwinzerin Simone Monstein? Dreimal ein entschiedenes Ja.

Die Speisekarte bietet gutbürgerliche Schweizer Küche mit französischer Extravaganz, neben Vor- und Hauptspeisen sind auch drei Genussmenüs aufgeführt: Wählen können wir zwischen einem 4-Gang-Menü mit Fisch, Fleisch oder der vegetarischen Variante (je 88 Fr.). Wir entscheiden uns für zwei Dreigänger (74 Fr.) und eine Hauptspeise von der normalen Karte.

Zur Vorspeise nehmen wir den weissen Spargelsalat an Himbeer-Vinaigrette mit Haselnuss und Sauerampfer, als Hors-d’œuvre den Hecht-Puffer auf Spargel-Ragout, Sauerampfer und Schnittlauchöl. Zur Hauptspeise bestellen wir einmal Schweizer Saibling mit Sauerteigkruste auf weissem Spargel mit Gnocchi, Capuns auf Spargel-Ragout mit Kräuter-Mandel-Kruste und frischen Erbsli sowie den Hackbraten-Muffin vom Kalb an Pilzjus auf Bramata-Polenta mit Kräutersalat (36 Fr.). Dazu einen Petite Arvine aus dem Wallis.

Kleine Reise durch Flüsse, Wälder, über Berge

Kulinarisch bewegen wir uns einmal quer durch die Schweiz – wir machen eine kleine Reise durch Flüsse, Wälder, über Berge und bleiben immer wieder staunend stehen.

«Extrem fein»: Weisser Spargelsalat an Himbeer-Vinaigrette mit Haselnuss und Sauerampfer.
«Extrem fein»: Weisser Spargelsalat an Himbeer-Vinaigrette mit Haselnuss und Sauerampfer.
Foto: Sabina Bobst

Die Portionen sind schön angerichtet, nicht zu gross und doch sättigend. Vor allem der Spargelsalat und die Hauptspeisen waren «top» und «extrem fein», wie die Freundinnen befinden. Auch die Desserts haben uns überzeugt: das Weisse-Schokolade-Parfait mit Erdbeeren und Mandeln, die Rüeblischnitte mit Nussbutterglasur und Sauerrahmglace sowie das Griessköpfli mit Rhabarberkompott und Vanille-Brösmeli waren zwar sehr süss, aber auch sehr fruchtig und erfrischend.

Der kleine Zuckerüberschuss treibt uns beglückt in die Nacht hinaus, als das Rubina um 23 Uhr schliesst. Jetzt sind wir satt, aber wir haben diesen unbestimmten Hunger nach mehr – vielleicht ist das auch typisch schweizerisch?

Wir müssen uns beeilen. Es bleibt nur noch wenig Zeit bis zur Polizeistunde.

In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über die Gerichte in Zürcher Restaurants.