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Wiedereröffnung der KinosZurück in den Saal

Am Samstag gehen die Kinos wieder auf. Die Filmredaktoren sagen, was sie in der kinofreien Zeit gemacht haben und was sie von der Wiederöffnung erwarten.

Der Filmstart von «Pinocchio» wird am 9. Juli nachgeholt.
Der Filmstart von «Pinocchio» wird am 9. Juli nachgeholt.

Zu Hause gewesen, geknetet

Ein verregneter Nachmittag, ich hatte seltsamer-weise frei. Was tun? Ein Task mit hoher Priorität: Herausfinden, ob «Serpico» mit Al Pacino zu den gelungenen Werken von Sidney Lumet zählt oder nicht (Spoiler: ist super). Das Vorgehen sah so aus, zuerst eine Blu-Ray-Kopie aus dem Netz saugen, klauen zum Privatgebrauch, in der Schweiz darf man das. Das File kam auf den Server, und von dort gab es die empfehlenswerte Infuse-App an den Fernseher weiter. Schon begann der Film über den New Yorker Cop, der doch nur anständige Arbeit verrichten will, aber die korrupte Welt lässt ihn nicht. Zwischendrin musste Teig geknetet werden für den Lauch-kuchen, weshalb «Serpico» in der Küche auf dem Tablet weiterlief, natürlich nahtlos. Am Ende hatte Al Pacino Schweiss auf der Stirn und ich Mehl. War das nicht auch ein magischer Moment? (blu)

Nachtvorstellungen

In der Nacht ist manches möglich, und wer dann im Kino sitzt, kann erleben, wie er Stunden später als neuer Mensch in die Welt hinaustritt. So gings mir jedenfalls zu Studienzeiten in Berlin. Es gab da ein Kino in Kreuzberg, das an Wochenenden ab 22 Uhr drei Filme eines Regisseurs in Folge spielte. Nach solchen 6-Stunden-Sessions mit David Lynch oder Luis Buñuel wackelte die reale Welt beträchtlich. In Zürich reichte mir später ein einziger Film: Nach einer Spätvorstellung von Quentin Tarantinos «Pulp Fiction» im damaligen Wellenberg taumelte ich gegen drei Uhr nachts über die Rudolf-Brun-Brücke nach Hause – vollgesogen mit allerlei Verstörungen (ich sage nur: Marsellus Wallace). Wenn jetzt die Kinos wieder öffnen, sind auch Nachtvorstellungen wieder angesetzt. Ob ich in eine gehen werde? Keine Ahnung. Aber ich mag die Möglichkeit, es jederzeit tun zu können. (zas)

Flucht aus der Sonne

Höchste Zeit, dass die Kinos wieder aufgehen, besonders wegen der warmen Jahreszeit, die jetzt anbricht. Ich gehe nämlich am liebsten hin, wenn es draussen sonnig ist und heiss. Zum Beispiel am frühen Nachmittag oder noch besser am Vormittag, in Kinostädten wie Paris ist dies ja möglich. «Spinnst du, bei diesem Wetter?», bekomme ich deswegen oft zu hören. Ich murmle als Antwort etwas von der angenehmen Kühle im klimatisierten Saal. Aber in Tat und Wahrheit ist es etwas anderes: Kino am heiterhellen Tag hat für mich den wohligen Beigeschmack des Verbotenen, es ist wie Schule schwänzen früher. Und es hat noch einen Vorteil: Oft sitze ich dann fast allein im Saal, also kein Geläuf und keine störenden Geräusche. Da fühle ich mich ganz besonders gut behandelt. Beim Rausgehen bedanke ich mich artig beim Personal, das mir den Film trotzdem gezeigt hat. Auch etwas, was man im Heimkino nicht tun kann. (ml)

Nachholbedarf

James Bond war der Erste, den es traf: Anfang März wurde der Kinostart von «No Time to Die» abgesagt. Auf der Redaktion konnten wir danach mitverfolgen, wie Film um Film aus dem Programm genommen wurde; richtiggehend unheimlich. Einige wenige hatten ausgehalten, bis der Bundesrat am 16. März die ausserordent-liche Lage erklärte – als alle Kinos zumachen mussten, wurden auch die letzten Filmstarts obsolet. Nun gehts am 6. Juni weiter. Für die Eröffnungswoche ist unter anderem Clint Eastwoods «Richard Jewell» angekündigt, basierend auf der Geschichte eines Wachmanns, der einen Bombenanschlag verhindert. Die jüngste «Pinocchio»-Verfilmung, die im März hätte kommen sollen, startet nun am am 9. Juli. Und James Bond? Der ist für den 12. November angesetzt. (ggs)