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Film-Highlights der WocheZwei Avengers in der Fernsehidylle

In «WandaVision» landen Superhelden in einem Sitcom-Universum. Dazu haben wir weitere Serien und Filme in unseren Streamingtipps.

Kann dieses Glück real sein? Der Android Vision (Paul Bettany) und die Hexe Wanda (Elizabeth Olsen) in «WandaVision».
Kann dieses Glück real sein? Der Android Vision (Paul Bettany) und die Hexe Wanda (Elizabeth Olsen) in «WandaVision».
Foto: Disney+

WandaVision

Superhelden-Serie von Jac Schaeffer, USA 2021, 9 Folgen.

Endlich wieder Superheldenaction? Nein, davon ist hier nichts zu sehen – und das ist äusserst erstaunlich für die erste von Marvel selbst produzierte Miniserie. Es fängt damit an, dass die mit Hexenkräften ausgestattete Wanda (Elizabeth Olsen) und der Android Vision (Paul Bettany) ein neues Heim in einer Fünfzigerjahre-Vorstadt beziehen, aber keine Ahnung haben, woher sie kommen und wie sie sich Nachbarn oder Vorgesetzten erklären sollen.

«WandaVision» ist als launiger Schnelldurchlauf durch die amerikanische Fernsehgeschichte angelegt – zunächst in Schwarzweiss und vor Livepublikum. Aber wie ist es möglich, dass Vision, der im Film «Avengers: Infinity War» (2018) getötet wurde, wieder da ist? Sagen wir so: Unter der heilen Sitcom-Welt in «WandaVision» spürt man jetzt schon Risse, weitere Twists und Überraschungen dürften folgen. (zas)

Gilles Caron: Histoire d’un regard

Dokumentarfilm von Mariana Otero, F 2020, 93 Min.

Ein bekanntes Foto der 68er-Bewegung zeigt Daniel Cohn-Bendit. Er ist einer der führenden Köpfe der Studierenden in Frankreich, wird «Daniel le rouge» genannt. Um ihn herum Sicherheitsleute und Studierende, die Menge hat sich vor der Sorbonne versammelt. Cohn-Bendit schaut einen behelmten Polizisten an, hat dabei ein breites Grinsen im Gesicht. Das Bild geht um die Welt. Gilles Caron hatte es geschossen.

Der französische Fotograf war erst im Jahr zuvor bekannt geworden, dank einer Reportage über den Sechstagekrieg im Juni 1967 in Israel. Dort fotografierte er, wie jüdische Soldaten die Klagemauer küssen – welche historische Bedeutung der Moment hat, wird Caron selbst erst später bewusst. Er war auch in Vietnam, beim Ausbruch des Nordirlandkonflikts in Derry, beim Prager Frühling. 1970 ist er in Kambodscha spurlos verschwunden.

Eine Biografie Carons mit dem Titel «Scrap Book» brachte Regisseurin Mariana Otero dazu, sich mit seinem Nachlass auseinanderzusetzen. Denn ihr fiel auf: Caron starb unvermittelt mit 30 Jahren, genau wie seine Mutter. Auch die war eine Künstlerin gewesen. So nimmt Otero Kontakt mit Carons Tochter auf, erhält von ihr eine Festplatte mit dem Gesamtwerk des Toten: 100’000 Fotos. Anhand derselben rollt sie sein Leben auf. Die Bildrollen ermöglichen es ihr, Carons Wege genau nachzuvollziehen. So kommt sie auf einige überraschende Entdeckungen. (ggs)

En thérapie

Comedyserie von Eric Toledano und Olivier Nakache, F 2020, 35 Folgen.

Eine Couch, ein Therapeut, jeden Tag eine andere Person in Behandlung: Das ergibt alles andere als eine Actionserie. Und doch erweist sich das Konzept des israelischen Vorbilds «BeTipul» als höchst erfolgreich, Ableger gibt es auf der ganzen Welt. Die französische Version stammt von Éric Toledano und Olivier Nakache, dem Duo hinter dem Kinohit «Intouchables». «En thérapie» beginnt kurz nach den Pariser Terroranschlägen vom November 2015, in den Sitzungen geht es auch um die allgemeine Verunsicherung in einer aussergewöhnlichen Zeit (was die Serie brandaktuell macht). Alles ist hervorragend besetzt, eine Art Marathon der verbalen Duelle – mitreissende Action im Sitzen. Oder Liegen. (ml)

Ab Do 28.1. in der Arte-Mediathek, ab Do 4.2. auf Arte-TV

Dheepan

Drama von Jacques Audiard, F 2015, 114 Min.

Vom Regen in die Traufe: «Dheepan» erzählt von einem tamilischen Bürgerkriegsflüchtling, der sich mit falscher Ehefrau und falscher Tochter nach Frankreich durchschlägt und schliesslich in einem Bandenkrieg in der Banlieue landet. Die Geschichte wirkt authentisch – umso mehr, weil Darsteller Jesuthasan Antonythasan selbst für die Tamil Tigers gekämpft hatte und als Flüchtling nach Frankreich kam. (zas)

Auf Filmingo

Quatre d’entre elles

Episodenfilm von Claude Champion, Francis Reusser, Jacques Sandoz und Yves Yersin, CH 1968, 101 Min.

Die Cinémathèque bietet online eine Auswahl aus ihrem Katalog an. Besonders spannend ist «Quatre d’entre elles». Der Westschweizer Film besteht aus vier Porträts über vier Frauen. Da gehts zum Beispiel um eine 16-Jährige (Mary Adossides), die kurz vor dem Schulabschluss steht. Sie denkt nach über Berufswünsche, Beziehungen und den Vietnamkrieg, ärgert sich über den Mief in der Schule und geht lieber in die Disco. Als ironischer Kommentar dazu dienen Zitate aus alten Erziehungsratgebern, die junge Frauen auf ein Leben als Ehefrau und Mutter vorbereiten sollen. (ggs)

Auf Cinematheque.ch

Il traditore

Mafiafilm von Marco Bellocchio, I/F/B/D 2019; 151 Min.

Anfang der 80er: Als zwei Mafiaclans auf Sizilien um die Vorherrschaft streiten, kommt es zu einem Krieg mit Hunderten Toten. Der Mafioso Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino) setzt sich noch rechtzeitig nach Brasilien ab – wird dort aber verhaftet und schliesslich an Italien ausgeliefert. Er entscheidet sich dazu, die Omertà zu brechen und vor Gericht auszusagen. Damit wird er zum wichtigsten Kronzeugen der Mafiaprozesse der 80er und 90er. Regisseur Marco Bellocchio («I pugni in tasca», «Il diavolo in corpo») stellt die Verbrecher in all ihrer Brutalität und Lächerlichkeit bloss; im Gerichtssaal führen sie sich auf wie Kindergärtner. Pierfrancesco Favino füllt die Hauptrolle mit einer beeindruckenden körperlichen Wucht aus. (ggs)

Auf Cinefile

Café Odeon

Drama von Kurt Früh, CH 1959, 105 Min.

Während ihr Mann im Gefängnis sitzt, haut Leni (Margrit Winter) vom Dorf nach Zürich ab. Ihre Schwester (Sylvia Frank) lebt bereits dort – und arbeitet als Prostituierte. Wird Leni so enden wie sie? Nach «Bäckerei Zürrer» und «Hinter den sieben Gleisen» drehte Kurt Früh diese Milieustudie. Für seine Zeit war das ein riskantes Drama, auch wenn es natürlich ein Happy End hat. (ggs)

Auf Artfilm, Filmo