Zum Hauptinhalt springen

Meteorologen sind beunruhigtKlimawandel beeinflusst immer stärker das Wetter

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor einem globalen Temperaturanstieg um bis zu vier Grad. Die Pariser Klimaziele würden damit verfehlt, heisst es.

Je mehr Energie in der Atmosphäre steckt, desto heftiger ist das Wetter. Der Einfluss des Klimawandels wird Experten zufolge immer deutlicher erkennbar.
Je mehr Energie in der Atmosphäre steckt, desto heftiger ist das Wetter. Der Einfluss des Klimawandels wird Experten zufolge immer deutlicher erkennbar.
Foto: Friso Gentsch (Keystone)

Der Einfluss des Klimawandels auf das Wetter wird nach Einschätzung von Experten immer deutlicher erkennbar: So war das Jahr 2020 nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen weltweit.

Die Meereisfläche in der Arktis erreichte im September 2020 nach 2012 ihren zweitniedrigsten Wert, wie DWD-Präsident Gerhard Adrian, der auch Präsident der Weltorganisation für Meteorologie ist, am Dienstag bei der Vorstellung der Klimadaten sagte.

Nach Einschätzung des DWD ist eine Begrenzung der Klimaerwärmung auf zwei Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts nicht erreichbar, wenn der Anstieg weiterhin ungebremst weiter geht. «Leider sieht es im Moment sogar nach einem Plus von drei bis vier Grad aus», erklärte DWD-Präsident Gerhard Adrian am Dienstag in Offenbach bei einer digitalen Pressekonferenz zu Fragen der Klimawissenschaft. Das Zweigradziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 würde so verfehlt.

«Leider sieht es im Moment sogar nach einem Plus von drei bis vier Grad aus.»

DWD-Präsident Gerhard Adrian

Wie sehr der Klimawandel das Wetter beeinflusst, lässt sich mittlerweile mit einer neuen wissenschaftlichen Methode errechnen, sagte Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD. Bei der sogenannten Extremwetterattribution stünden zwei Fragen im Vordergrund: Werden bestimmte Extremereignisse, wie zum Beispiel Hitzewellen, häufiger auftreten? Und: Sind diese Extremereignisse heutzutage intensiver als in der Vergangenheit?

«Leider können wir zurzeit nur grossräumige Extremniederschläge, Hitze- und Kältewellen sowie Dürren untersuchen», sagte Fuchs. Doch auch die Analysen, die bisher möglich waren, geben Grund zur Beunruhigung.

So zeige das Beispiel der Dürre im nordöstlichen Deutschland im Jahr 2018, dass sich durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für derart starke Dürren in dieser Region mindestens verdoppelt hat. Eine zweite Analyse untersuchte die Hitzewelle, die Ende Juli 2019 Teile West- und Zentraleuropas erfasste. «Eine Attributionsstudie ergab, dass durch den Einfluss des Klimawandels vergleichbare Hitzewellen nun 10 bis 100 Mal häufiger auftreten», sagte Fuchs. «Ohne den Klimawandel wäre es im Juli 2019 in der Spitze um 1,5 bis drei Grad kühler gewesen.»

Lesen Sie auch: UNO-Bericht zum Klimawandel – «Alarmstufe Rot für unseren Planeten»

Weltweit konnte erneut eine Intensivierung und Zunahme von Wetterextremen beobachtet werden, sagte Adrian. So habe es in der Sahel-Region, um das Horn von Afrika sowie in Indien, Pakistan und China 2020 besonders viel Niederschlag gegeben, der regional um 500 Prozent über dem vieljährigen Mittel gelegen habe. Vom 1. Januar bis 17. November 2020 wurden zudem weltweit 96 tropische Stürme registriert. Im Nordatlantik waren es mit 30 Stürmen mehr als doppelt so viele wie dort typisch sind.

Bereits im Januar hatte der europäische Copernicus-Klimawandeldienst mitgeteilt, dass das Jahr 2020 in Europa so warm gewesen sei wie kein anderes seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Danach war das Jahr in Europa durchschnittlich 1,6 Grad Celsius wärmer als im 30-jährigen Referenzzeitraum 1981 bis 2010 – und 0,4 Grad wärmer als das bisherige europäische Rekordjahr 2019.

Angesichts der Corona-Pandemie sei das Thema Klimawandel im vergangenen Jahr etwas in den Hintergrund geraten, sagte DWD-Präsident Adrian. Eines sei jedoch hervorzuheben: «Was sich in dieser Krise aber eindrucksvoll gezeigt hat: Entscheidungen, die auf wissenschaftlichen Fakten basieren, haben wesentlich dazu beigetragen, Schlimmeres zu verhindern.»

Lesen Sie dazu: «Corona ist im Vergleich zum Klimawandel reines Nasenwasser»

SDA/oli

161 Kommentare
    H. Thaler

    @Rolf Gysling @ Max Berehns

    Ich habe Ihre Kurzkommentare erst jetzt entdeckt, darum die späte Antwort. Offenbar nicht allzu viele hier Kommentierende schauen sich wie ich das reichlich vorhandene Material von MeteoSchweiz etwas genauer an. Dort gibt es sehr viel zum Schweizer Klima zu entdecken, aber man muss halt schon etwas Zeit investieren.

    Beim Betrachten von Grafiken zum Klimaverlauf von Bern ist mir aufgefallen, dass das Auf und Ab der Temperaturkurve sehr stark mit der Kurve der Sonnenstunden korreliert, und das über 120 Jahre. Wenn man die beiden Grafiken übereinanderlegt, sind die Kurven (gleitender Durchschnitt über mehrere Jahre) praktisch identisch. Es ist wohl kaum ein Zufall, wenn das über eine Dauer von mehr als 100 Jahre der Fall ist.