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Buchtipps für KulinarikerZwischen den Seiten essen

Romane, in denen viel gegessen und getrunken wird, sind ein gutes Rezept in Corona-Zeiten. Ein Auswahlmenü.

1. «Kiss the Cook». 2. «Jiro Dreams of Sushi». 3. «Julie & Julia». 4. «Im Rausch der Sterne». So geht es bis Nummer 7: «Ratatouille». Klar, das ist die Liste mit den besten Food- und Koch-Filmen. Wie siehts aber mit Büchern aus? Wir sagen: «Es muss nicht immer Kaviar sein». Der Roman von Johannes Mario Simmel gehörte einmal, ich gestehe es, zu meinen Lieblingslektüren. Hier gab es neben Agenten, schnellen Autos, atemberaubend schönen Frauen auch Rezepte für die Zubereitung von Kopfsalat. Lang ist das her. Ich habe Besseres gefunden. Es gibt (feministische)Alternativen. Wie wärs etwa mit ­kaltem Nudelsalat?

Blümerant

Sicher einer der süffigsten Romane. «Aaah! Recht frühreif, aber schon von Charakter!», sagt der Schrecksenmeister über den Wein. «Ein starkes Rückgrat aus Walnuss und Erdbeere – blümerant, aber auf eine erdige, ehrliche Art.» Walter Moers entführt uns in eine höchst kulinarisch-literarische Welt. Ein Zauberer will da einem Krätzchen, das eigentlich eine Hauskatze ist (nur mit zwei Lebern), ans Fett und kocht ihm Leckereien. Alles in allem eine (völlig verrückte) Überschreibung von Gottfried Kellers Novelle «Spiegel, das Kätzchen».

Walter Moers: Der Schrecksenmeister. Ein kulinarisches Märchen, Piper, 382 Seiten, ca. 19 Franken

Zum Dessert Drogen

Fish Cakes, Grilled Potatoes with Spiced Salmon, Roasted Radishes Topped with Crumbled Feta, Cold Noodle Salad. Das ist ein Menü aus dem ersten Roman «Supper Club» der Britin Lara Williams. Bald gibt es ihn auch auf Deutsch, denn die Geschichte von Roberta, die Frauen zu Clubabenden an ungewöhnlichen Orten und mit ausserordentlichen Speisen einlädt, ist grossartig. Roberta hat die Männer satt. Und will ihren Hunger nach mehr ausleben, bis zum Exzess. Zum Dessert gibt es meist Drogen. Das Lieblingsfleisch der Autorin ist übrigens: Chicken.

Lara William: Supper Club. G, P Putnam Sons, 304 Seiten, ca. 32 Franken

Kochen für den Kaiser

Er kocht um sein Leben und das seiner Freunde. Mick, elf Jahre alt, hat Mangos aus dem Garten des Kaisers gestohlen – und muss ihm nun jeden Tag ein Menü zubereiten, das schmeckt. Nur: Der Kaiser mag nur Weissbrot mit Zucker. Schmeckt es nicht, muss Mick mit den Haien schwimmen gehen. Guter Rat ist da teuer. Der Junge hat aber ein Kochbuch zur Hand, das ihm einst ein Schiffskoch, der die Welt bereist hat, gab, und versucht es mit Mango-Mousse mit Schokotäfelchen. Der Kaiser kommt auf den Geschmack. Und mit ihm die Kinder, für die dieses Buch gedacht ist.

Marloes Morshuis: Mick Mangodieb, Gerstenberg, 240 Seiten, ca. 27 Franken

Love Food

Der erste Gang hiess: «Mann und Frau». Der zweite «Nord-Süd». Dann kamen die Currys: Ladies’ Fingers Curry auf Sali-Reis mit Knoblauchschaum. Curry vom jungen Huhn auf Sashtika-Reis mit Korianderschaum. Churaa Varai auf Nivara-Reis mit Mintschaum. Und ab diesem Moment war die Frau, die vom tamilischen Koch Maravan eingeladen worden ist (und eigentlich gerade wieder gehen wollte), hin und weg. Solche Wunder passieren, wenn Martin Suter über das Essen schreibt. Aphrodisierend! Im Anhang finden sich molekulare Rezepte.

Martin Suter: Der Koch, Diogenes, 320 Seiten, 17 Franken

Lob der Provinz

Was gibts an diesem Abend? Blanquette de veau. Das klassische Périgord-Diner. Und zum Trinken einen Rosé von Château Briand. Schon macht sich Bruno, Chef de Police, auf den Weg. So beginnt Martin Walker seinen elften Bruno-Roman, es geht um eine Frauen-Rugby-Mannschaft, eine verschwundene Kochschülerin, Doppelmord, internationalen Terrorismus. Doch wie immer singt der Autor ein Loblied auf die lokale Küche. Auch dafür ist Bruno ein Spezialist, wie er auch in seinem «Gartenkochbuch» zeigt: Salade de radis, cabécon et persil.

Martin Walker: Menu Surprise, Diogenes, 432 Seiten, 32 Franken

Das Gastmahl

Vorher war: Stockfisch und Brotsuppe. Dann kam Babette. Jetzt gibt es: Schildkrötensuppe. Blini Demidoff mit schwarzem Kaviar. Wachteln im Sarkophag mit Foie gras und Trüffelsauce. Baba au rhum mit Fruchtsalat und Obstplatte zum Dessert. Und das ganze jütländische Dorf, das zu diesem Gastmahl geladen ist, flippt aus. Kommt Ihnen das Menü bekannt vor? Ja, es ist der Film «Babettes Fest» – und sogar Papst Franziskus erinnert an die geglückte Szene, die eine Vorausnahme des Himmels ist. Schön, wenn Literatur so funktioniert.

Tania Blixen: Babettes Fest und andere Erzählungen, Penguin, 272 Seiten, ca. 15 Franken